Mein Monsterherz

Man kann es ganz simpel Depression nennen. Affektive Störung. Zu finden unter ICD-10. Wenn man möchte, erfindet man sein eigenes Wort dafür. Wie Monsterherz – weil es es nun mal genau dort so weh tut, wo das Herz sitzt.Wir kennen uns schon ein paar Jahre, das Monsterherz und ich. Es gab Zeiten, da drohte es mich aufzufressen, da war es so groß, riesig und ohrenbetäubend laut, dass ich beinahe darin verschwand. Ich habe mich nicht fressen lassen – und gemerkt, dass meine tiefschürfende Feindseligkeit, die ich dem Monsterherz gegenüber verspürte, nicht sehr hilfreich war.

Und tatsächlich, seit einer Weile macht es mir nicht mehr so viel Angst, hin und wieder sieht es sogar ein wenig freundlich aus. Nicht gerade königlicher Besuch – aber auch kein vollkommen ungebetener Gast mehr.Es ist nicht so, dass ich mich darüber freue, wenn es sich immer wieder drauf setzt, auf mein Herz. Und wenn ich die Wahl hätte, würde ich die Depression abwählen. Ja, mein Körper und meine Psyche, meine Ängste und Hoffnungen wären sich vollkommen einig. Aber ich habe keine Wahl. Und deshalb weiß ich, deshalb will ich zeigen, dass das Leben gleichzeitig hart, schön, leicht, traurig, ja beinahe alles auf einmal sein kann. Das man immer eine Wahl hat – vielleicht nicht jetzt sofort, aber es geht weiter, es geht immer weiter. Und jeder, der unter einem Monsterherz, einer Depression oder einer anderen Krankheit leidet, die das Leben stark beeinträchtigt, der ist so mutig, wenn er sein Leben in die Hand nimmt, wenn er aufsteht und nicht aufgibt.

10 Kommentare zu „Mein Monsterherz“

  1. Depression hin oder her, Monsterherz hin oder her. Es fühlt sich an, als wäre das, was mich übrigens auch oft einholt, alles nur Ausdruck fehlender Emotionen unserer Welt. Etwas nimmt sich so nur seinen Platz, den es tagtäglich in den Straßen der Städte und den Gesichtern der Anderen vergebens sucht.
    Die Kunst, das in irgendeiner Weise ausdrücken zu vermögen, wird heutzutage bestaunt und belächelt. Künstler eben.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich habe dank deiner Worte doch jetzt glatt vergessen, wie ich meine Depri einst nannte … „Watte“ trifft es zurzeit gut. Früher war es mal „der Abgrund“, „der Orkus“, „der Strudel“ oder einfach „die dunkle Seite.“
    Andere haben Krebs – wir haben Depri. Übertrumpfen muss sich niemand, mit Nichts, denn das Sein ist genug. … und jeder Mensch hat auch ein „Monsterherz“ 🙂 ❤

    Gefällt 3 Personen

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