Tada –

da schrieb ich gestern noch, dass ich nicht wüsste, wie ich mit all den momentanen Umständen umgehen soll und heute hat mein Körper dann die Führung übernommen. Ich denke ich habe es übertrieben. Mir zu viele Aufgaben aufgeladen, die mich aus meiner Komfortzone reißen sollen. So wie heute.

Ich hasse es längere Strecken mit dem Bus zu fahren, schon seit ich denken kann. Und so dachte ich mir, nehme ich statt der Bahn den Bus, um eine liebe Freundin zu besuchen – zwei Stunden Fahrt sollten schon machbar sein. Da war ich dann derart euphorisiert und mutig, dass ich dann auch noch dermaßen früh gebucht habe, sodass ich um fünf Uhr aufstehen musste. Weil ich frühe Termine nämlich auch nicht so gerne mag und mir das beim Einschlafen oft Schwierigkeiten bereitet, aber hey Monsterherz, du hast in letzter Zeit schon so viel hinbekommen, das ist doch dann kein Problem. Nachdem ich also zum Busbahnhof gehetzt bin, mich sogar noch nach ganz vorn gesetzt habe, weil ich mal gehört habe, dass das bei Reiseübelkeit helfen soll – ist mir nach circa 50 METERN!!! dermaßen schlecht geworden, dass ich mich beinahe direkt übergeben hätte. Mir wurde heiß. glühende Ohren, wattebauschiger Kopf und ein bisschen schwarz vor den Augen. Dazu hatte ich mit Frauenproblemen zu kämpfen und derartige Unterleibsschmerzen, dass ich ständig so gekünstelt ausatmen musste. Klingt super.

Im ständigen Taumel zwischen „spreche ich den Busfahrer an und sage ihm, dass er mich einfach an der nächsten roten Ampel rauslassen soll, hin zu „das halte ich schon irgendwie durch“. Weil schließlich wird der Respekt/ die Angst vor einer Sache nur noch größer, wenn man es nicht bis zum Ende durchzieht und die Freundin wollte ich so gerne sehen. Nicht schon wieder die sein, die in letzter Minute absagt, wie so oft schon, wenn ich mit der Depression nicht nach draußen gehen wollte. Als dann aber der Bus zum Fahrerwechsel genau im Wohnort meiner Eltern hielt, habe ich – und das wohl vernünftigerweise- klein beigegeben und bin ausgestiegen. Wenn die Frühwarnsysteme der Psyche nicht funktionieren, dann zieht der Körper zur Not eben die Handbremse, ich fühle mich ziemlich krank- werdend. Oder ich habe die schlimmsten Frauenprobleme meines Lebens – aber das ist dann ja auch schon beinahe krank.

In die andere Richtung hat mein Gehirn hingegen ganz wunderbar funktioniert, ich habe mich nämlich gleich nach dem Aussteigen wie der allerletzte Versager gefühlt. Und wenngleich ich mir sage, dass ich in letzter Zeit so vieles hinbekommen habe und heute vielleicht einfach ein schlechter Tag war, bleibt das Gefühl. Und es singt:

„Du kannst nicht Fernbus fahren. Du kannst nicht spontan sein. Du kriegst Kleinigkeiten schon nicht hin. Du reagierst immer psychosomatisch und dir wird schlecht. Lalalala.“

Heute ist ein richtiger Misttag – der nur dadurch noch gekrönt wird, dass ich in der S-Bahn kontrolliert wurde, mein nicht-personengebundenes Ticket nicht dabei hatte(das kann man nicht einmal nachreichen) und jetzt 60 Euro zahlen muss. Während das Ticket es sich zu Hause in meiner Sporttasche bequem gemacht hat.

 

5 Kommentare zu „Tada –“

  1. Also. Ich mag Busfahren. Aber ich hasse frühes Aufstehen. Und. Im Grunde mache ich nichts, um mir etwas zu beweisen. Kann sein, dass ich mal eine Freundin besuchen möchte. Dann überlege ich, wie ich da am besten hin- und ankomme. Schließlich will ich meine Freundin sehen. Und nicht vorher durch die Hölle gehen. Wenn ich etwas nicht gut kann, überlege ich, wie ich es mache, um die wenigsten Schwierigkeiten zu haben. In diesen ganzen Fällen ist nämlich das Ziel das Ziel. So einfach, so kompliziert manchmal.

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    1. So in der Art hat meine Freundin das auch gesagt – und hatte absolut Recht. Ich habe es da definitiv übertrieben und das werde ich mir bei solchen Dingen in Zukunft sparen. Danke für die klaren Worte 🙂

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  2. Ich kann mich so gut wieder finden in deinem Text , von den psychosomatischen Beschwerden bis hin zu den Versagensgefühlen… Die Sache mit der Übelkeit ist echt mit am Fiesesten, finde ich ;-( Mit Anfang 20 hatte ich eine Phase, wo ich aufgrund dieser Panikattattacken beim Zugfahren auf dem Weg von meinen Eltern zurück nach Hause mal irgendwo im Nirgendwo aus dem Zug raus bin, weil ich dachte, ich halte es nicht mehr aus. Habe dann erstmal heulend meine Mutter angerufen und mich hinterher furchtbar gefühlt, wie ein verängstigtes Kleinkind. Du bist also nicht allein ♥

    Ich finde, du kannst stolz auf dich sein, dass du die Reißleine gezogen und auf deinen Körper gehört hast! Das nächste Mal könnte man ja vielleicht versuchen, die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten, z.B. etwas später fahren, wenn ich dich das schon mal ein Stück entlastet?

    Liebe Grüße
    Nelia

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