Depression und Partnerschaft //Part 1

Meistens findet man Empfehlungen und Ratschläge für den Umgang mit an Depression erkrankten Menschen, für Angehörige. Das ist wichtig und ausgesprochen hilfreich. Für mich aber nur ein Teil des Puzzles, denn der Betroffene selbst kann in jedem Fall eine Menge dazu beitragen, dass die Zweisamkeit gelingt.

Ob es dabei Kategorien wie gut und schlecht gibt? Ich glaube nicht, der Umgang zwischen zwei Menschen ist vor allem noch immer sehr individuell. Dennoch hätte ich, als die Krankheit über mich hereinbrach, jemanden gebraucht, der mir sagt, was in dieser schweren Zeit hilfreich für meine Beziehung ist. Seitdem sind ein paar Jahre vergangen, ich bin mit einem anderen Partner zusammen und will teilen, was ich gelernt habe.


T.

Mein erster Freund, der miterleben „durfte“, wie jene Person, die er liebte, sich zu einem anderen Menschen verwandelt. Wir hatten beide noch nicht so wirklich Berührungspunkte mit den Depressionen gehabt und so stand ich als Betroffene vor einer doppelten Herausforderung. Die Diagnose übermannte mich, sprengte alles, was ich zuvor für selbstverständlich hielt, in die Luft. Kein Schlaf, nichts Essen, blass, ausdrucksloser Blick, rot geweinte Augen. T. war geschockt, er hatte mich noch nie so gesehen – ich mich auch nicht. Mit dem winzigen bisschen an Wissen, das ich eben erst selbst erfahren hatte, versuchte ich ihm zu sagen, was mit mir nicht stimmte.

Er war verständnisvoll. Hilflos. Da. Stand das mit mir durch. Meine massiven Schlafstörungen führten dazu, das ich ein halbes Jahr lang keine Nacht mehr mit ihm verbringen konnte. Das sind ja schon reichlich beschissene Umstände und ich ziehe meinen Hut vor T. – ein ganz wunderbarer Mensch.

Und dann hüllte ich ihn in meine eigene Überforderung ein, ich zog ihn in den Bann meiner Ängste, der arme T., ich malte mein graues Leben in ohrenbetäubender Lautstärke noch viel grauer. Und wenn ich in jenem Moment vielleicht auch nicht anders konnte, bereue ich die Art und Weise, in der ich T. und unsere Beziehung belastet habe. In einer Tour riet ich ihm, sich eine andere Freundin zu suchen, eine gesunde, normale. Und nein, damit wollte ich nicht bezwecken, dass er mir sagte, dass ich trotz allem wundervoll sei – ich meinte das so. In meinen Augen war ich absolut wertlos und ich verstand nicht, was er noch bei mir wollte. Auf eine etwas subtilere Art und Weise stieß ich ihn von mir weg. Noch weniger hilfreich war es, wenn ich ihm ständig sagte, dass ich keinerlei Sinn im Leben sah und alles umsonst sei, weil ich keine Liebe, einfach nichts spüren konnte. T. blieb bei mir – bis es mir etwas besser ging – und dann trennte er sich, für zwei Wochen. Weil er so kaputt war, so erschöpft von dieser Reise, die mittlerweile ein Jahr anhielt und dann hatten wir nochmal viele Monate gemeinsam, die wieder schöner und leichter waren. T. und ich sind schon seit drei Jahren nicht mehr zusammen, ich trennte mich, weil, spielt ja eigentlich überhaupt keine Rolle hier.

Mir kommen heute noch beinahe Tränen, wenn ich darüber nachdenke – weil ich T. so ungeheuer dankbar bin. Weil wir so jung und diese Leistung so unglaublich war. Vor einem Jahr haben wir uns zufällig getroffen, da hab ich ihm meine ganze Dankbarkeit an den Hals geworfen und er saß da, sah mich an und sagte mir, dass das selbstverständlich war. Menschen gibt es, nicht wahr?!


Schon wieder so viel Text – dabei wollte ich mich kurz fassen, ehrlich! Tja, dann gibt es den zweiten Teil eben morgen, in dem ich davon berichten kann, was ich heute anders mache. Und mich dabei wohlfühle. Ein bisschen vorwegnehmen will ich fazit-halber trotzdem:

Die Entscheidung eines Menschen, den man liebt, sollte akzeptiert und nicht ununterbrochen in Frage gestellt werden. Dein Partner ist mündig, erwachsen und fähig sich auszusuchen, mit wem er zusammen sein möchte. Diese Fähigkeit häufig zu hinterfragen, ist eine zusätzliche Belastung für den Partner. Natürlich kann man sich im Moment der Depression nicht so lieben und schätzen, wie man das selbst tut – aber man sollte deshalb nicht anfangen das Vertrauen in den Anderen und in seine freie Wahl zu verlieren. Wenn der Partner gehen will, wird er das tun – wenn er bleibt, dann bleibt er, und das sollte man akzeptieren. 

[Ja – das ist viel leichter gesagt, als getan. Ich hätte es aber womöglich früher verstanden, hätte mir das damals jemand gesagt]

16 Kommentare zu „Depression und Partnerschaft //Part 1“

  1. Toller Beitrag. Du sprichst mir hier aus der Seele, denn mir geht es in meinen depressiven Phasen genauso. Nervig finde ich immer, dass man dann die Theorie beherrscht, praktisch aber immer wieder durchfällt (zB nicht dauernd zu denken, dass der Partner etwas Besseres verdient hat u.ä.).

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      1. Was mir und meinem Partner mittlerweile gut hilft, ist, dass wir beide wissen, dass das in den Momenten nur Phasen sind und ich nicht wirklich so bin/so denke. Allein das Wissen ist schon hilfreich, wie ich finde.

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        1. Ja, das ist von großer Bedeutung. Ich finde das darüber Reden in den Phasen, in denen es mir gut geht, ist so wichtig. Wenn es mir nämlich schlecht geht, kann ich das nicht so formulieren und alles ist negativer, als es tatsächlich ist.

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        2. Genau so geht es mir auch. Allerdings habe ich mittlerweile auch selbst gelernt, mich nicht zu hassen, weil ich weiß, dass meine Gedanken nicht mein wahres Ich widerspiegeln. Womit ich nur immer noch nicht klarkomme, ist, dass ich immer und immer wieder Rückfallepisoden habe… Darf ich fragen, ob es etwas gab, dass die Krankheit bei dir ausgelöst hat?

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        3. Klar darfst du!
          Zum Einen ist da wohl schon immer eine genetische Disposition. Aber die haben Andere auch und da bricht es nicht aus.
          Ich hab nie auf mich geachtet, mein Inneres sträflich vernachlässigt. Und das auch und vor allem dann, als fast meine gesamte Familie nach und nach entweder an Krebs erkrankte oder starb. Und dann gab es ganz schwierige Rollenverteilungen und Konflikte mit meiner Mutter. Das ist so die Kurzfassung 😁

          He, das klingt als seien wir in einer recht ähnlichen Entwicklungsphase 😉 ich habe auch mit dem Hassen aufgehört. Und trotzdem finde ich mich immer wieder verzweifelt vor, wenn ich spüre, dass es wieder Mal da ist. Ich habe mich ein wenig damit arrangiert, dass das bei mir etwas chronisches ist. Also frag ich mich zumindest nicht mehr nach dem „Warum“. Aber ja, die Rückfälle machen mir auch zu schaffen. Vor allem, wenn ich eine Weile ganz frei davon war.
          Ohje, ein eeendlos Kommentar. Das mit dem kurz und bündig habe ich echt drauf 😂

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        4. Wahnsinn, dann sind wir da recht ähnlich. Genetisch veranlagt bin ich auch (mein Vater war stark depressiv in seinen frühen 20ern und dessen Onkel hat sogar Suizid begangen) und von Konflikten mit meiner Mutter kann ich ein Buch schreiben (wir haben mittlerweile nicht mal mehr Kontakt zueinander).

          Ja, Verzweiflung kommt auch in mir auf, weil ich immer denke, dass ich mich doch mittlerweile eigentlich so gut kenne und in der Psychotherapie so viel gelernt habe, dass ich die Zeichen deuten müsste, bevor ich wieder abrutsche, aber Fehlanzeige :/ Hier muss ich noch viel Geduld erbringen.

          Kurze Kommentare sind btw auch nicht meine Stärke 😂

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        5. Oh ja – Kontaktabbrüche kenne ich. Wunderbarerweise habe ich seit ein paar Wochen wieder eine, meine Mutter, seit sie eine miese Krebsdiagnose bekommen hat – fühlt sich ein wenig wie Frieden an. Das ist sehr schön.
          Bei mir ist es auch die väterliche Seite, mit Depressionen, Ängsten, Panik, blablabla.
          Zeit die Gene zu verändern und was dagegen zu tun. 😎
          Na dann werde ich dich Mal ein bisschen im Auge behalten und mich dann und wann im kürzere-kommentare-schreiben an deiner Pinnwand üben 😉
          Tut gut mit dir zu schreiben!

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        6. Kann ich nur zurückgeben! Ist ja nun doch eine Seltenheit, jemanden zu finden, der ähnliches durch hat – egal wie gut einen der Partner versteht.
          Das mit den Krebsdiagnosen bei dir finde ich aber auch heftig. Hast du dich dahingehend schon testen lassen, ob du ebenfalls genetisch veranlagt bist?

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        7. Ne, ich hab mich dagegen entschieden. Vielleicht überlege ich mir das irgendwann anders. Aber bisher ist das Ergebnis nicht so genau und was ändert das? Lebe ich dann anders, weil ich weiß, dass ich zu blabla% mit 40 Krebs bekomme? Ja, habe wahrscheinlich mehr Angst. Deshalb tendiere ich momentan eher zu einem Nein.

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        8. Wenn du deine Entscheidung so begründen kannst, ist das doch absolut okay 😊 Ich hätte glaub ich lieber eine Absicherung, um präventiv gegensteuern zu können und (bewusster) zu leben, bevor man eben keine Zeit mehr dazu hat. Aber das ist auch nur meine Sichtweise.

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        9. Die steckt schon auch ein bisschen in mir drin, deine Sichtweise – ich gehe brav zu allen Vorsorgeuntersuchungen, bin Spezialistin im Brust abtasten 😀, habe aufgehört zu Rauchen und trinke nicht viel Alkohol. Sport und halbwegs gesunde Ernährung eh.
          Ich glaube, weil so viel Krebs um mich rum war/ist, will ich ein bisschen frei davon sein. Hatte aber auch schon andere Zeiten – da bin ich jetzt sehr ruhig geworden 😊

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