Depression und Partnerschaft Part II

Ich habe gestern und heute bestimmt ein paar Mal grinsen müssen, weil ich mich so über die Reaktionen auf den Part I gefreut habe – DANKE.

Mit meiner Semi- Erkältung, die zwar da ist und mich nervt, aber auch nicht richtig ausbrechen will, möchte ich im Moment eigentlich einfach nur schlafen. Nix da. Heute ist Termin- Tag und damit ich nicht doch aus versehen einschlafe, nutze ich die Zeit für den Blog. ICH ENTSCHULDIGE DAS SONDERBARE FORMAT – EGAL WAS ICH MACHE; DIE KOMISCHEN ABSÄTZE BLEIBEN.

Gestern habe ich über T. geschrieben. Heute geht es vor allem um meine Zeit mit H. .
Dazwischen gab es noch ein paar andere Buchstaben, die nicht allzu entscheidend sind.
Außer P., P. sollte hier durchaus erwähnt werden, wenn auch nicht zu viel. Mit ihm
führte ich eine kurze, aber unheimlich intensive Beziehung, so eine, von der ich dachte, dass ich in so etwas nie hinein geraten könnte. Als ich ihn kennen lernte war ich
ziemlich stabil und mir beinahe sicher, dass sie nicht wiederkommen würde, die
Depression. P. hatte selbst ziemlich viele Probleme mit seiner Psyche, er behandelte
sie aber nicht, also nicht so, wie man denkt. Er nahm ziemlich viele Drogen, um damit klar zu kommen. Es war keine leichte Zeit – ganz sicher die destruktivste Beziehung meines
bisherigen Lebens – und doch bin ich nicht nur traurig darüber.
Hätte es P. nicht gegeben, würde ich diesen Text nicht schreiben, denn dann würde ich
vielleicht bis heute nicht wissen, wie unglaublich schädlich man sich unter
Depressionen der eigenen Beziehung gegenüber verhalten kann. Ich habe viel von ihm gelernt, viel darüber, wie ich es auf keinen Fall je wieder machen möchte.


Aber gut, eigentlich wollte ich ja über dich schreiben.

H.

Wir kennen uns seit ein bisschen mehr als zwei Jahren und gleich bei unserem ersten
Date klärte ich den Haftungsausschluss, etwas, das ich zu jener Zeit bei jeder Verabredung
tat. Habe nach ein paar Bier direkt mal klar gestellt,dass ich Depressionen
hatte und eine an unterschiedlichen Stellen angeknackste Psyche. Und sowieso bin ich und ist es mit mir nicht einfach.
[LIEBES ICH VON DAMALS -HALLO GEHT ES NOCH? WIE WAR DAS NOCHMAL MIT STIGMATISIERUNG?]
Nicht, dass der Herr sich später dann beschwert, dass er sich auf ein Fass ohne
Boden eingelassen hat, nein, aus der Nummer war ich raus.
Selbstschutz, nehme ich an.
H. ließ sich davon nicht allzu sehr beeindrucken und hatte ohnehin keine Berührungspunkte mit jener Erkrankung in seinem bisherigen Leben gehabt. Also trafen wir uns weiterhin.
Obwohl ich nicht mich, sondern die Depression in den Vordergrund stellte. Und immer wieder betonte, dass ich kein Leichtfuß, sondern eher ein Schwergewicht sei.
Soweit alles okay, ich kann nämlich ganz oft ganz wunderbar fachlich fachsimpeln und
ausschweifend sachlich über an sich belastende Thematiken sprechen. Ohne dabei
in Tränen auszubrechen, ohne irgendwas zu dramatisieren – eher so, als würde ich
in einer Beratungsstelle arbeiten und aufklären.
Abgesehen davon, dass ich dachte ich sei sie los, die Depression, habe ich jene Momente, in denen es mir schlecht ging einige Monate von H. ferngehalten. [JA! THEORETISCH KANN ICH GANZ WUNDERBAR SACHLICH ZU MEINER ERKRANKUNG UND MEINEN SCHWACHEN MOMENTEN STEHEN – ABER PRAKTISCH? NÖ!]

Ab und zu mal erlebte er mich und meine Schlafstörung und Situationen, in denen ich mich nicht beherrschen konnte, mein kaputtes Ich zeigte.
Aber ich habe ihm lange keine Chance gegeben oder die Wahl gelassen damit umzugehen, ich bin geflohen. Ich habe noch immer nicht geglaubt, dass ich es wert bin geliebt zu werden – aber das habe ich H. natürlich nicht erzählt.

Im Sommer 2015 brach die Depression erneut über mich hinein. Und es war nicht möglich
H. länger zu „schonen“. Und ich war froh, dass er solange das gute „Ich“ erleben konnte, damit er dann noch genug Restliebe übrig hatte, um mich weiter zu lieben, bis ich mich wieder zusammen reißen konnte. Dass ich so gedacht habe, darüber bin ich heute nicht mehr froh. Ich finde mich nämlich mittlerweile schon ein wenig liebenswert und das trotz und weil Depression. Was ich aber wirklich gut gemacht habe und das ziemlich intuitiv war H. in vielen, vielen Momenten über psychische Erkrankungen und den Umgang damit zuzutexten. [Entschuldige, lieber H., das Thema hing dir ja schon zu den Ohren heraus.]
Ich glaube das war eine Art Sicherheitsvorkehrung von mir, dass er vorbereitet ist, falls es doch nochmal passieren sollte. Und es funktionierte, H. war nicht sehr aufgeschmissen, er kam mit mir klar.

Und ich hatte gelernt, wie zerstörerisch es war seinem Partner so verletzende Dinge zu sagen, wie, dass das Leben keinen Sinn hat oder man nicht mehr leben möchte.
Jeder von uns will gerne ein bisschen Sinn für den Anderen sein, oder? So etwas zu hören tut weh! Das kann man seinem Therapeuten erzählen oder ganz nüchtern, wenn man gerade nicht drinsteckt.
Damit macht man den Partner nämlich kaputt.
Es hat gedauert, bis ich H. vertraute, ihm mein kaputtes Ich offenbarte und ich habe ein
Riesenglück, weil H. so oft das ganz richtige sagt. Aber ich habe auch viel dafür
getan. Und tue es noch! Ich nutze die Momente, in denen es mir gut geht auch dafür, über die weniger angenehmen Dinge zu sprechen, weil ich weiß, dass ich es im depressiven Zustand nicht kann.
Da streue ich Verzweiflung, Angst und Panik. Da kann ich mich nicht erklären.
Da kann ich nur be- und nicht entlasten.

Ich habe H. erklärt, wo das Gefühl sitzt und 100 Vergleiche angestellt, um ihm zu erklären,
wie es sich anfühlt. Ihm meine Texte gezeigt, ihm einen Zugang zu mir verschafft, der
immer erreichbar ist – auch, wenn es mir schlecht geht.
Das könnte man Depressions-Vorsorge nennen, vielleicht.
UND ich habe H. wieder, wieder und wieder gesagt, dass er mich in jenen Momenten nicht
persönlich nehmen darf, er nichts für meine Traurigkeit, für meine Schwere kann.
Es ist mir nicht leicht gefallen mich so zu öffnen, erst recht dann, wenn es mir total bescheiden geht.
Das war ein Prozess und ich merke wie gut es ist, dass ich noch eine Therapeutin habe,
mit der ich über die Sachen reden kann, die H. einfach nicht mehr hören kann.
Es hat eeeeewig gedauert, ganze Jahre, bis ich über die Depression sprechen konnte, wenn es mir gut ging. Weil ich dann am liebsten nichts mit ihr zu tun haben wollte. Aber die
Rechnung geht natürlich nicht auf. Ich kann meine Depression nicht wie einen ekligen
Abszess behandeln und erwarten, dass der Andere mich dann liebt, wenn sie auf der Tagesordnung steht.
Ja, ich habe Depressionen und womöglich werden sie mich ein Leben lang begleiten.
Aber ja, ich bin auch ein toller Mensch und Teile von mir sind erst so geworden, weil
ich die Depression kennen lernte. Sie ist manchmal so hässlich anzuschauen und tut weh, mir, meinem Partner, aber sie geht vorbei und sie ist nur ein Teil von mir.

H. ich bin dir sehr dankbar! Weil du das alles unglaublich gut machst, so oft die
genau richtigen Worten findest und mich ernst nimmst und weil du auch diesen Text
lesen wirst! Und weil die Depression zu unserem Leben gehört – aber keinen solchen Schrecken mehr verbreitet.
Das hätte ich ohne deine Unterstützung nicht geschafft!


Und so kann ich nur nochmal betonen, dass der Partner es ohnehin nicht allzu leicht hat, wenn er mit ansehen muss, wie sehr der Andere leidet und sich windet und eh nicht wirklich etwas geben kann. Das ist der Punkt, an dem man die Zweifel abstellen sollte. Oder sie zumindest für sich behalten sollte. Oder aber sie zumindest nicht ununterbrochen anspricht.
Es ist abwertend jemanden ständig in Frage zu stellen. Und ich habe mich dazu gezwungen damit aufzuhören. Weil ich in der kurzen Beziehung mit P. am eigenen Leib erfahren habe, wie sehr das das eigene Wohlbefinden kaputt macht.
„Du hast jemand besseren verdient“
„Ich belaste dich doch nur, warum bist du noch bei mir?“
Der Partner hält uns dann schon aus und das ist nicht leicht. Dann ist es nicht auch noch seine ständige Aufgabe uns das Selbstwertgefühl zurück zu geben. Er hat es nicht genommen – er kann und sollte das nicht. Das muss man selbst und das ist hart. Und wenn ihr wisst, dass ihr davon betroffen seid, dann nehmt dem Thema die Schwere, indem ihr darüber redet, wenn es euch gut geht.
Nur dann kann es leichter werden.

 

So. Vielen Dank an alle, die sich bis hier durchgequält haben. Haltet euch von Erkältungs- und Grippeviren fern!!! So und jetzt auf zu meinem Psychiater – YIPPIE 😉

24 Kommentare zu „Depression und Partnerschaft Part II“

  1. Glückwunsch zu H! Ich habe auch genügend Frauen mit drepressivem Verhalten kennen und lieben gelernt und der Umgang war ebenfalls nicht immer leicht, aber wenn man dem anderen zuhört und nicht gleich aufgibt kann was wundervolles entstehen 🙂 viel Erfolg beim Psychiater & gute Besserung 🙂

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  2. Ich werde den Glückwunsch an H. weiterleiten 😁 naja, dazu braucht es auch Menschen wie dich, die sich auf so etwas einlassen. Aber dein Humor hat auf Depression vielleicht auch eine Art antidepressive Wirkung 😉

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  3. Ganz aufrichtigen Dank für diesen Text. Er macht mir wirklich Mut, denn in so einer Beziehung wie du mit H. war ich bis heute nicht und hatte lange Zeit die Hoffnung darauf verloren, dass es irgendwann einmal kappen könnte. Deine Worte sind ein Lichtblick 🙂 – und ein bisschen Gebrauchsanweisung für mich 😀 😉

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  4. Es tut so gut einen Menschen zu haben, der da ist.
    Mein Freund hat allerdings am meisten mit der Hilflosigkeit zu kämpfen, wenn es mir sehr schlecht geht und er nicht mehr zu mir durchkommt. Meist geht es mir dann noch schlechter, weil es ihm wegen mir schlecht geht. Da helfen auch die Gespräche an guten Tagen nicht….
    Kennt ihr diese Hilflosigkeit auch? Was tut ihr dagegen?

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    1. Ja das kenne ich. Fällt auch meinem Partner so schwer, deshalb habe ich überlegt, was er dann für mich tun kann, wenn es so schlimm ist.
      Grundsätzlich in den Arm nehmen und einfach neben mir her existieren, weil mir das gut tut, zu wissen, dass er da ist. Aber auch was für sich selbst tun! Fußball spielen gehen, sowas. Du findest da bestimmt auch was, das dir in just diesen Momenten hilft und dein Freund ganz konkret tun kann. Hoffe ich 😊

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      1. Mhh wir arbeiten dran… zumindest wissen wir mittlerweile, wann er besser auf Abstand bleibt, weil ich mich sonst in eine Furie verwandele; und wann seine Nähe gut tut.
        Hilflos ist er dennoch oft….
        Na ja, kommt Zeit kommt Rat.
        Es ist schön, dass ihr das hinkriegt 🙂 Das macht Mut es selber auch zu schaffen!

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        1. Ich glaub dafür bin ich manchmal wirklich eine große Nervensäge, wenn ich versuche ihm näher zu bringen, was in mir vorgeht und was hilft.
          Da sagt er dann ab und an: „Ruhe jetzt, ich weiß das du Depressionen hast und das Drumherum.“ Er hat es schon längst verstanden und ich habe aber das Bedürfnis mich noch und nöcher zu erklären 🙈
          Und auch da – kommt Zeit, kommt Rat 😊

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  5. „ ich kann nämlich ganz oft ganz wunderbar fachlich fachsimpeln und
    ausschweifend sachlich über an sich belastende Thematiken sprechen. Ohne dabei
    in Tränen auszubrechen, ohne irgendwas zu dramatisieren – eher so, als würde ich
    in einer Beratungsstelle arbeiten und aufklären.“ Schreibst Du über mich? 😀

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  6. Ich danke dir für deinen Beitrag. Er hat mir soeben klar gemacht, daß ich nicht der einzige bin, der Probleme hat. Ich habe zwar eine andere Grunderkrankung als du, aber mir wird jetzt bewußt, das ich diese oft genug vorgeschoben habe ohne zu bedenken, daß auch andere es dadurch mit mir schwer haben. Ich hoffe, die Erkenntnis hilft mir künftig im Umgang mit anderen. Und auch mit mir selber. Nochmal danke sehr.

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