Die Sache mit dem Wollen und wie es dann wirklich ist.

Mit diesem Blog wollte ich vor allem eines: Ein bisschen Optimismus austeilen, Hoffnung geben und zeigen, dass es sich auch mit Depressionen ganz gut leben kann. Und das mit Authentizität, mit Schwung, Elan und so wie es eben wirklich ist.

Aber an einem Tag wie heute wäre das nicht sehr authentisch, ich käme mir vor wie eine Heuchlerin, die mit bunten Fahnen winkt, sich eine Maske aufsetzt. Natürlich könnte ich das mit dem Schreiben dann einfach lassen, bis ich mich wieder besser fühle, bis der Blick wieder etwas optimistischer ist – aber das passt nicht zu meinem momentanen Bedürfnis, etwas zu sagen. Und zu zeigen, wie es wirklich ist.


Manchmal habe ich Angst vor dem Leben. Ich sehe anderen Menschen mit staunend großen Augen dabei zu, wie sie ihre Träume zur Berufung werden lassen. Die sich selbst Herausforderungen schaffen, weil ihnen die Abenteuer des Alltags an Spannung nicht ausreichen und sie mehr erleben wollen. Die um die Welt reisen, die mit dem Motorrad über den Highway fahren und dafür Geld bekommen. Alles, was sie erfüllt, schnürt mir vor lauter Druck die Kehle ab.

Ich komme da überhaupt nicht mit! Stehe zehn Schritte weiter hinten an und gucke zu, im Gespräch, im Fernsehen, auf Vorträgen und Fotos. Bin ein bisschen neidisch, etwas skeptisch, vor allem aber macht es mir Angst. Was stimmt nicht mit mir?

Um mich herum bauen die Menschen Sandburgen aus ihren Träumen, während ich in meiner Betonlandschaft festsitze, mich bemühe den Alltag auf die Reihe zu bekommen. Ich bin so oft noch dabei mein Leben einfach auszuhalten, anstatt zu leben und egal wie viele Schritte ich weiterkomme – bin doch so weit davon entfernt. Mist.

War ich schon immer so? Bin ich irgendwann so geworden?

Genetik, Resilienz, Hormone, Vitamin-D, Serotonin, Botenstoffe, Lebensumstände – ich weiß es nicht, weiß es einfach nicht. Und manchmal weiß ich auch nicht, wie ich da wieder rauskomme, wie ich schaffe, dass es sich endlich besser anfühlt. Das Leben. Und ich damit aufhöre mich so undankbar anzuhören, überall wird darum gekämpft und ich halte es nur aus.

Heute fühlt es sich ungut an überhaupt nur nach draußen zu gehen. Das macht mir Angst. Ich mache mir Angst. Es ist zum Glück nicht immer so – und trotzdem Angst,Angst,Angst, dass es nie anders wird. Ich möchte so gerne ein Vogel sein, einer der fliegen kann, statt im Käfig zu sitzen und den Anderen dabei zu zu sehen. Manchmal will ich nicht stark, nicht tapfer, nicht Vorbild sein – nicht aushalten müssen. Selbstmitleidbadetag.

Ach Monsterherz, wann bekommen wir das hin? Wann nur werde ich es schaffen mich auch in den Stunden zu akzeptieren, wenn du,Monsterherz, so dominierst?

 

19 Gedanken zu “Die Sache mit dem Wollen und wie es dann wirklich ist.

  1. Ich glaube, die meisten Biographien auf diesem Planeten sind nicht erfolgreich. Zumindest nicht auf die Art, wie es in den Medien oder im Netz oft „vorgemacht“ wird. Gerade im Internet ist sehr viel mehr Schein als Sein. Lass dich nicht davon unterkriegen oder dich schlecht fühlen.

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    • Ne, davon nicht so sehr. Und stimmt schon, bei denen, die ich näher kenne, steckt eigentlich immer etwas hinter dem Reisen, den Abenteuern, etc. Trotzdem bin ich nun nicht gerade ein mutiger Mensch und wäre es gern, wenigstens ein bisschen mehr.
      Da macht man sich das Leben ja eigentlich nur selbst schwer – und ich habe aber noch keinen Schlüssel um dieses Rätsel zu lösen 😑
      Ich versuche mein Bestes!

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  2. Du sprichst mir heute so aus der Seele. Dieses Gefühl oft nur daneben zu stehen, während andere machen und leben, und verwundert zuzugucken wie die das machen. Aber das Leben ist doch mehr, als das, was draußen zu sehen ist, oder? In uns ist jedenfalls ein ganze Menge los denke ich. Ach, aber so richtig heiter kann ich heute leider auch nicht kommentieren.

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  3. Danke, dass du auch in dieser Situation schreibst und teilst, was in dir vorgeht. Diese Gedanken gingen mir in den letzten Wochen sehr durch den Kopf und ich war sehr erschrocken von mir selbst, wieder stärker als sonst diese Angst zu spüren, hinaus in die Welt zu gehen. Und das Gefühl, auf andere zu blicken und sich gewissermaßen „abgehängt“ zu fühlen hat mich sehr erschüttert. Aber ich habe glücklicherweise wieder einen Wendepunkt erreicht. Und ich habe zumindest die Zuversicht trotz aller Phasen der Angst und des Zweifelns immer wieder diese Wendepunkte erreichen, egal wie kurzlebig der jeweilige Aufschwung ist. Ich wünsche dir alles Gute gerade an einem Tag wie diesem.

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    • Danke! An Tagen, an denen ich mich recht frei davon fühle und durchatmen kann – bin ich so froh und dankbar, dass es auch so geht. Aber ich denke du weißt wohl selbst wie es dann an den anderen Tagen ist – ich kann heute keine Hoffnung tragen. Die habe ich ausgelagert, bis es wieder geht. Ich hoffe sehr, dass mein Wendepunkt nicht zu lange auf sich warten lässt. Und ich mich irgendwann akzeptieren kann, wie ich bin.

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  4. Es darf Dir schlecht gehen. Das ist keine Schande. Daraus zu kommen erscheint oft schwer. Wie Du das schaffen kannst, weiß ich nicht. Ich kann nur von mir ausgehen. Bei helfen oft die kleinen Schritte. Akzeptieren, dass mein sonstiges „wenig“ heute ein „wahnsinnig viel“ ist. Hier ein Handschlag, da eine Aktivität. Mir etwas gönnen, dass mir bekanntermaßen Freude bereitet. Auch wenn ich das in der Situation nicht glauben kann. Es funktioniert trotzdem oft. Und ein kleines Lächeln kann dann die über mich hereinbrechende Flut abmildern. Du willst fliegen? Gibt es eine Schaukel in Deiner Nähe, die nachts im Mondlicht auf Dich wartet? Es gibt viele Möglichkeiten zu fliegen. Ich hoffe, Du findest die richtige für Dich 🙂

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  5. Kürzlich hab ich beim Friseue das Magazin „barbara“ gelesen (von der Schöneberger) – ich fand es sehr erfrischend, weil da Geschichten drinstanden von Menschen, die ihr Ziel nicht erreicht haben, gescheitert sind und trotz allem: sie leben, machen das Beste draus und sind sogar zufrieden. Leider sehen wir in den Medien zu oft die Menschen, die viel Erfolg haben und die wir dann als Massstab nehmen. Aber wer sagt, dass die glücklich sind? Vielleicht fühlen sie sich als Heuchler oder sehnen sich nach mehr Ruhe und Einfachheit im Leben! Mut zum Durchschnitt und zu nicht immer guten Tagen, kann ich nur sagen!

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  6. Ich finde es mutig und bewundernswert wie du über deine Erkrankung schreibst! Und gerade das zeigt doch was für eine Kämpferin du bist und dass du dein Problem beim Schopfe packst! Ich weiß wie schwer solche Tiefs sind, aber ja, sie gehen wieder vorbei! Verlange nicht zu viel von dir, denn du leistest schon Großartiges, indem du zu deiner Erkrankung stehst und sie somit angenommen hast, indem du darüber schreibst deine Ämgste und Sorgen mit anderen teilst.

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  7. Aushalten ist der härteste Kampf. Und ja, es wird besser. Nicht immer so schnell wie wir es gerne hätten. Und es hält auch nicht immer so lange, wie es nötig wäre, aber es ist nicht so einbetoniert, wie es sich anfühlt. Jeden Tag einen Schritt 😉

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  8. Mut zur Lücke 💪😁 aalglatter Lebenslauf mit Millionen auf dem Konto ist zwar schön anzusehen aber dann doch lieber mit wenig Geld viel Erfahrungen sammeln und auch schwere Zeiten meistern, weil sie geben einem den nötigen Schliff. Erst in der Krise lernt man sich selbst kennen 😂 keine Ahnung woher mir das gerade einfällt aber ich lass das Mal so stehen…. Und für die depri Tage – Serotoninspiegel im Auge behalten 😱😁✌ schön‘ Abend 🙂

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