Der bisher beste Trick meines Lebens

und nein, der hat überhaupt nichts mit Sport zu tun. Ich kann keinen Rückwärtssalto und vom fünf Meter Brett springen traue ich mich auch nicht. Wie man das Finanzamt austrickst – keine Ahnung und vom Selbstoptimierungswahn halte ich schon eine ganze Weile nichts mehr.

In einem Anfall von Glanzleistung habe ich vor einem halben Jahr beschlossen mich zum eigenen Nutzen selbst über den Tisch zu ziehen. Und eigentlich war das viel leichter, als gedacht. Schließlich kenne ich meine Schwachstellen, jene Punkte, die Boden zum Tricksen bieten und meine Stärken ganz genau. Aber gut…

Progressive Muskelentspannung

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich klang dieser Begriff wie die verdinglichte Langeweile. Naja, es klingt auch heute nicht interessanter, wenn ich ehrlich bin. Irgendwie tauchte dieser Begriff dennoch des Öfteren in meinem Leben auf; „Mensch Monsterherz, du bist so unruhig, so wuselig, tu doch Mal was“// „Ich weiß da was, das würde dir wirklich helfen. Mach doch Yoga, Meditationen, so in die Richtung.“

Und ganz tief drinnen, da wusste das Monsterherz ganz genau wie gut das doch wäre. Mal was gegen die Anspannung machen, bewusst Zeit für sich selbst nehmen, zur Gesundung beitragen. Weil ich ja nun nicht beratungsresistent bin, habe ich es ausprobiert, ehrlich, sogar mit Hypnose bei einem Therapeuten, mit geführter Meditation vom Band und beim Yoga im Fitnessstudio. Ein verzweifelter Versuch mit vermeintlicher PMR, bei dem ich einfach meinen ganzen Körper immer wieder anspannte, die Luft anhielt und dann wieder löste…Aber so insgesamt fehlte dann immer die Geduld und die Anspannung war viel zu groß, als dass ich sie nochmal aushalten wollte. Allerbestens konnte ich Situationen und mein eigenes Verhalten im Nachhinein analysieren und reflektieren – aber in mich hineinzuspüren…UNMÖGLICH. Also entgegnete ich den Beratschlagenden: „Ne, das ist einfach nichts für mich. Ich mache eben lieber Sport.“

Bis zu jenem Tag, an dem ich das Monsterherz Mal wieder unaussprechlich satt hatte. Und es nicht mehr länger hinnehmen wollte. Und deshalb nach neuen Wegen suchte. Und schließlich eine Studie fand. Eine, für Menschen mit Depressionen, eine, mit zwei Gruppen. Die eine sollte mit dem Programm iFightDepression experimentieren, die andere durfte Progressive Muskelentspannung lernen. Ich war ziemlich aufgeregt und hatte Angst, mit Fremden darüber telefonieren, Verpflichtungen nachkommen, meine Gefühle offen legen. Insgeheim hoffte ich ja auf das Programm, aber wie es der Teufel wollte, landete ich in der PMR- Gruppe…  Gut, kann man da sagen, warum habe ich das nicht einfach so gelernt? Gibt doch tausend Videos und Anleitungen im Internet und sowieso einen ganzen Schrank voll mit Büchern…

Tja – genau an dieser Stelle habe ich mich selbst ausgetrickst. Ich wusste nämlich, dass ich meine Disziplin, Ausdauer und Geduld nur ködern konnte, indem ich mich und den ganzen Prozess fremden Augen unterzog. Es ist mir nun nämlich schon seit dem Ende meiner Pubertät unangenehm, wenn ich Aufgaben habe, etwas erledigen soll und dann mit leeren Händen dastehe. Es war mir klar, dass ich die sechswöchige Studie durchziehen würde, wenn da nur ein wenig Kontrolle von außen wäre. Deshalb diese Studie, mit Anrufen, mit Fragebögen, mit eigenen Aufzeichnungen. Ich hätte jederzeit aussteigen können, aber mein Ehrgeiz war geweckt und das, obwohl ich bei der Progressiven Muskelentspannung landete.

Was soll ich euch sagen? Sechs Wochen jeden Tag mindestens 30 Minuten liegen und mit dem Audioprogramm die jeweiligen Übungen machen – die erste Zeit musste ich mich so sehr zwingen. Ich fand es furchtbar, kaum auszuhalten. Vor allem wenn es mir schlecht ging und ich den ganzen Tag geschäftig war, dann fiel in jenen Momenten alles ab – oder besser gesagt auf mich drauf. Nach einer Weile wurde mir klar, dass solche Dinge nicht ohne Übung funktionieren. Nach einer noch längeren Weile freute ich mich manchmal auf die 30 Minuten. Und das Ende der sechs Wochen kam mir dann irgendwie zu früh.

Nachblickend kann ich mir auf die eigene Schulter klopfen. Wenn es mir jetzt schlecht geht oder ich Ruhe brauche, dann baue ich an jenen Tagen PMR ein. Immer noch vom Band, weil ich da viel besser abschalten kann, als wenn ich es selbst mache – aber das ist ja total egal. Es tut mir gut. Und die Studie hat mir ein Tor geöffnet, seit ich begriffen habe, dass mir auch Meditationen gut tun – ich sie nur üben muss. Viel mehr Geduld.

Das war ja beinahe sehr clever von mir, wie selbst-konditioniert, sozusagen 😉

Wer jetzt trotz diesem nicht sehr spannend klingenden Begriffes Interesse hat…

Da wird es gezeigt/ erklärt

19 Kommentare zu „Der bisher beste Trick meines Lebens“

  1. Ich hatte während einer Reha Progressive Muskelentspannung. Zweimal die Woche, immer als letzte Anwendung (was für ein blödes Wort). Danach bin ich zum Abendessen geschwebt. Ich fand das auf Anhieb toll, was aber nicht unerheblich an der schmeichelnden Stimme der Trainerin lag.
    Schön, dass du es für dich entdeckt hast 😊

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  2. Schöner Artikel und – stimmt! Progressive Muskelentspannung funktioniert gut.

    Allerdings kann ich auch diese Sache mit dem Chakra empfehlen. Echt ein Zufall, gerade gestern hab‘ ich darüber was aufgeschrieben, allerdings in Zusammenhang mit…Schlafmittel. Naja… 😉

    Egal wie, es ist gut, wenn man einen Weg zur Meditation findet.

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  3. Hey, ich mache das auch seit langem regelmäßig und höre es meist auch auf meinem Player dabei. Ich versuche das jeden Mittag einzubauen, denn mein Körper und mein Geist BRAUCHEN diese Pause einfach. Ich schlafe meistens nach 5–10 Minuten tief und fest ein und wache zuverlässig am Ende des Textes wieder auf. 😀

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      1. Kommt bestimmt noch. Das ist bei so einer Praxis wirklich alles eine Frage der Zeit … obwohl, eigentlich ist es ja besser, nicht einzuschlafen. Ich leg mich halt immer hin dabei, weil mein Nervensysten sich im Liegen 100x besser erholt.

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        1. Richtig regelmäßig seit 2013 glaub ich. Aber ich habe vorher auch jahrelang immer mal wieder rumexperimentiert mit Autogenem Training, PMR, Meditation, Biofeedback … irgendwann wurde mir einfach klar, dass diese Pausen für mich lebensnotwendig sind. Mittlerweile gehört es zu meiner täglichen Routine: Ich gehe mittags heim, esse was und dann leg ich mich hin. Danach dann noch Termine oder ich hole mein Kind vom KiGa. An Tagen wo ich es nicht hin bekomme, fehlt mir viel Energie für die 2. Tageshälfte.

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        2. Biofeedback funktioniert auch nur mit einem technischen Gerät. Das wurde mir in meiner Jugend mal verordnet und später hatte ich es auch in einer Reha. ich fand das sehr effektiv, aber müsste es halt auch dauerhaft machen können.

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  4. Als ich vergangene Nacht nicht​ schlafen konnte, las ich diesen Beitrag und dachte, dass probier ich jetzt. Hab ich mir ein Video bei Youtube gesucht und habs gemacht. Und tatsächlich, es hat geholfen. Danach habe ich von 5:30 Uhr bis jetzt (10:30) geschlafen.

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    1. Wie schön 🙂 ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser wird, umso öfter ich es übe. Ich wollte demnächst eh Mal über meine Schlafstörung schreiben und was mir dabei alles hilft oder geholfen hat.
      Freut mich auf jeden Fall, dass es dich zum Einschlafen gebracht hat 🙂

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