How it was supposed to be…

da wollte ich doch eigentlich nur schöne und allgemein hilfreiche Beiträge verfassen, die Mut machen, die Wahrheit zeigen und die Gedanken der Leser anregen. Kongruent sein wollte ich aber auch – das Leben soll schon zu dem geschriebenen Wort passen. Denn wie oft habe ich selbst Erfolgsgeschichten von Anderen gelesen, wie sie die Depression überwunden haben oder endlich angstfrei wurden und ich kam mir immer kleiner und kleiner vor, immer schwächer und etwas minderwertig. Weil es bei diesen Geschichten vorwiegend Glanzmomente gab, während ich mich so sehr nach einer Niederlage, einem Einbruch, einem Rückschlag sehnte, um zu erkennen, dass ich damit nicht allein bin. Dass es auch bei Anderen Höhen und Tiefen gibt, der begonnene Weg mit Stolperfallen ausgerüstet und auf keinen Fall eben ist.

Aber das was ich las, beschrieb immer nur „Schau, jetzt stehe ich hier, ich war Mal dort, wo du jetzt bist, aber nun bin ich oben. Soundso hat mein Leben verändert. Nach dieser Erkenntnis wurde alles anders.“ Und ich saß dort, übte, tat und machte und wartete auf meine eigene Veränderung. Sie kam Schritt für Schritt. Manchmal in großen Fußstapfen, manchmal in winzigen Bewegungen, kaum merkbar und nur mit viel Geduld zu ertragen. Am Ende angelangt bin ich sowas von noch lange nicht. Aber ich gehe.

Und so ist es vielleicht nicht einmal das schlechteste, dass ich das Bedürfnis hatte über meinen ersten Arbeitstag zu schreiben, meine Emotionen offen gelegt habe, euch teilhaben ließ. Denn ich war und bin gerade auf einem sehr gutem Weg, dem besten, den ich überhaupt bisher gegangen bin, glaube ich. Es wurde besser und besser. Und dann kam der KNALL. Der Schreck. Der Einbruch. Meine Stolperfalle. Niemals könnte ich besser aufzeigen, wie das Leben trotzdem fortschreiten kann und darf, als an Gestern und Heute. Ehrlich, die Versagensangst hatte mich gestern so im Griff, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass mein Leben sich in diesem Bereich jemals gut anfühlen würde. Es war EIN schrecklicher Tag, davor eine noch schlimmere Nacht.

Was ist heute passiert? Ich konnte schlafen. Ohne Angst und Panik, nur mit Baldrian und sogar ohne H., gut, es mussten einige Atemübungen herhalten, bis ich einschlafen konnte. Ich war ein bisschen nervös, aber es war so wenig, dass ich es kaum gespürt habe. Und heute war dann beinahe ein ganz normaler Tag in der Arbeit. Mal abgesehen von dem Chaos und dem Einfinden, das jede neue Stelle mit sich bringt. Dass sich zwei aufeinanderfolgende Tage so unterschiedlich anfühlen können, ist für mich surreal. Ich staune. Ich freue mich. Ich bin erleichtert. Kann es kaum glauben. UND BIN SO FROH! Nein, Luftsprünge wage ich noch längst nicht, dafür steckt viel zu viel Verunsicherung in mir und auch etwas Angst, dass das nochmal passiert – aber ich bin froh. Und so froh auf diesem Blog genau das zeigen zu können, was ich so gerne wollte…diese Tiefschläge, die gibt es, die Treppen nach oben aber auch. Ich bin vorsichtig und tapse auf leisen Zehenspitzen, weil ich das Glück und die Freude nicht zerbrechen möchte – sollte nochmal so ein Fall kommen, möchte ich vorbereitet sein.

Es gibt da eine Sache die so dringend noch gesagt werden muss:

Ihr unglaublichen Menschen da draußen, von denen ich nicht einen Einzigen persönlich kenne, ich DANKE euch von ganzem Herzen. Ihr helft mir nicht nur weiter, indem ihr mich durch eure Beiträge an eurem Leben teilhaben lasst, mir Verständnis entgegenbringt, sondern auch durch eure unfassbar aufbauenden Worte, die mir schon mehrfach Tränen in die Augen trieben. Und nun ist es nicht so, als gäbe es da nicht auch etliche Menschen, die ich wirklich kenne, die für mich da sind. Und trotzdem – vor allem gestern hat mir das so gut getan, ich war dermaßen gerührt und hätte ganz ehrlich niemals geglaubt, dass Blog schreiben so was kann. DANKEDANKEDANKE! [Dafür auch der Weihnachtsbaum – hat mir zu Dankbarkeit gefallen]

17 Gedanken zu “How it was supposed to be…

  1. Sehr schön, dass Dein tag heute so gut war. Das freut mich wirklich. Ich habe tatsächlich an Dich gedacht un dmich gefragt, wie es Dir wohl ergeht. Schon seltsam. Wir lesen uns seit, ich weiß nicht … drei Wochen? Und doch kann ich obigen Dank nur zurück geben. Mir gibt das hier auch unglaublich viel und Du warst auch noch meine allererste Followerin :)!
    Und noch ein Gedanke: Könnte es sein, dass es einen Zusammenhang dazwischen gibt, dass Du Deine Gefühle gestern noch schriftlich formuliert, ausgedrückt und reflektiert hast – und der Tatsache, dass Du gut schlafen und den neuen Tag mit neuem Geist angehen konntest? Liebe Grüße, plejade

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    • Da gibt es immer einen Zusammenhang dazwischen. Früher habe ich es immer für mich aufgeschrieben, das ist auch gut – aber da bekommt man kein solches Feedback.
      Zum wirklichen Kennen gehört noch viel mehr, als das Geschriebe des Anderen zu lesen – aber welche Rolle spielt das? Keine! Das hier hat etwas von einer Selbsthilfe-Gruppe. Die baut mich auf, bekommt meine innersten Innen-Seiten zu Gesicht und versteht mich. Manchmal mehr, als mein Umfeld, glaube ich.
      Oh das wusste ich gar nicht 😊 es hat sich aber gelohnt deinem Blog zu folgen.
      Es ist gut, dass wir das hier haben 😊

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  2. Das ist so toll! So geht es mir auch. Ich bin auch dankbar für all die tollen Menschen hier und habe ihnen sowohl innerlich als auch schon in Einträgen gedankt. Ich sehe das alles genauso wie du.
    Und ich finde das hier, das ist im Vergleich zu all dem Gehetze in anderen sozialen Medien, so eine friedliche Welt.

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  3. Habe ich es nicht gesagt? Nun hast du schon zwei Tage geschafft und du hast sicher gemerkt, dass dir einige Dinge schon etwas leichter gefallen sind, als du am ersten Tag gedacht hast. Am dritten Tag wird wieder so etwas passieren. Vielleicht machst du dann schon die erste Sache unbewusst, ohne groß darüber nachzudenken, ohne schweißtreibend Anlauf nehmen zu müssen. Vielleicht fällt dir das auch erst am Abend des dritten oder vierten Tages auf, aber es wird passieren.
    Ebenso kann natürlich geschehen, dass mal eine Schwierigkeit auftaucht. Dann wirst du aber nicht mehr so schnell in Panik verfallen, weil du schon zwei, drei Tage hattest, die gut gelaufen sind und die werden dich ermutigen.
    Liebe Grüße, Achim

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  4. Ich freue mich sehr mit dir, und ich wünsche dir einfach immer einen Schritt mehr vorwärts als rückwärts, eine Stufe mehr aufwärts als abwärts 🙂 Und ich wünsche dir, dass du dich eher über Erfolge freust als über Niederlagen grübelst. Du bist stark! 🙂

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  5. du kannst zu Recht sehr stolz auf dich sein!
    Das was du zum Thema Veränderung schreibst, kann ich absolut bestätigen. Meistens ist es gar nicht der große Knall, das „Schalter um“ und Veränderung ist da. Sie passiert meistens still,leise und heimlich. Oft nur im Rückblick zu erkennen. Ich glaube auch, wenn Veränderung langsam geschieht, ist sie „nachhaltiger“. (ich hoffe du verstehst, was ich meine 😉 ). Gehe deinen Weg weiter vorwärts, lass dir die Option offen, manchmal ein paar Schritte zurück zu gehen (müssen) und dann eventuell neue Wege einzuschlagen. Ich meine, manchmal muss man zurück gehen/ wird man zurück geschmissen, weil man eine „Abzweigung“ verpasst hat, beziehungsweise irrtümlicher Weise den „falschen“ Weg weiter gegangen ist. Doch das ist kein „Rückschlag“ sondern eine weitere Erfahrung. So sehe ich das meistens. Immer gelingt mir das auch nicht. Auch bei mir gibt es immer wieder Tiefschläge. Doch das ist meiner Meinung nach : menschlich. Bei ganz genauem Hinsehen, stelle ich im Nachhinein oft fest. Ich bin gefallen, tief. Aber nicht mehr ganz nach unten. Meistens nicht mehr tiefer als bis in den Keller. Der hat mittlerweile einen Boden 😉 und ist keine endlose Grube mehr.
    Ich bin auch der Meinung: du bist stark!!! Das zeigt alleine schon die Tatsache, dass du über deine Empfindungen, Gedanken, Ängste, Befürchtungen und Gefühle schreibst. LG

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    • Das was du schreibst, trifft sehr gut den „Ort“ den ich erreichen will. Beziehungsweise den Zustand. Das ist noch weit bis dahin, aber die ersten Schritte sind gemacht. Es fühlt sich gut und noch immer unglaublich an das geschafft zu haben. Und das bleibt, egal was jetzt passiert. Danke für diese Worte, sie bedeuten mir viel!

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      • … ich bin noch nicht komplett durch mit deinen Blog. Aber mir scheint du hast schon gaaanz viel erreicht :-). Du bist auf einem guten Weg. Und glaube ja nicht, dass es mir immer leicht fällt, die Dinge so zu sehen. Auch ich erlebe genügend Rückschläge. (mehr als mir lieb sind)
        Ich habe einmal für mich den Wunsch gehabt: anzukommen. Doch dann habe ich fest gestellt, dass „ankommen“ etwas mit Stillstand zu tun hat. Ich möchte nicht still stehen. Ich möchte weiter gehen. Aber gemütlich, langsam, stets weiterentwickeln, aber dennoch mit dem zufrieden zu sein, was ich bis jetzt erreichte und trotzdem offen sein für weitere Veränderung. Also: in Bewegung bleiben…. (naja, kann das nicht so gut ausdrücken). Aber dennoch habe ich mir „Etappenziele“ gesteckt, die ich manchmal über die schlimmsten und tiefsten Umwege „erreichte“…. Du schreibst, du bist auf dem Weg. Das ist gut. Und es ist normal, dass es mal zum Stillstand kommt, denn Pausen müssen sein, sonst geht dir die Puste aus. Mal rennt man ein Stück des Weges, mal geht man gemütlich. …. Alles Liebe und Gute für dich. Klar, du schaffst das!! davon bin ich überzeugt.

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  6. wundervoll!!!
    Und ja, auch ich gucke immer auf die anderen (Ex)Depressiven und ihre Erfolgsgeschichten und komme mir dann immer als totale Versagerin vor.
    Aber: Austausch ist gut, gegenseitiger Aufbau auch – das ist auch die Erfahrung, die ich in meinem Blog gemacht habe (auch wenn ich aus rechtlichen Gründen nicht mehr so oft und offen über meine persönliche Situation und vor allem die Rückschläge schreiben darf.
    Ich freue mich sehr für Dich, dass es Dir schon wieder viel besser geht. Du wirst Deinen Weg gehen.
    Liebe Grüße
    Agnes

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  7. Und ich war ganz aufgeregt mit Dir, wie der 2. Tag gelaufen ist. Ich freu mich für Dich, dass du das schaffst! Ich weiß genau, was Du meinst mit „Tiefschläge“. Als ich nach der Geburt meiner Tochter eine Buchempfehlung zum Thema Down-Syndrom bekam und diesen verschärften Erfahrungsbericht las, fühlte ich mich noch schlechter, weil die Frau engelsgleich beschrieb, wie sie das Kind von der 1. Sekunde so geliebt hat, wie es ist. Das konnte ich nicht, das fiel mir schwer. Wenn man in solchen Situationen nur Erfolgsberichte liest, fühlt man sich noch schlechter.

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    • Tja, obwohl der Tag gestern so gut lief, hatte ich dann abends wieder Angst und kleine Panikattacken. Aaaaber – ich hab sie überstanden und geschlafen. Natürlich hoffte ich,dass das eine einmalige Sache war… aber so ist das eben. Holprig sind die Wege.
      Das kann ich mir vorstellen. Viele dieser Erfolge geben dann immer nur einen Teil preis – aber welcher Erfolg passiert denn bitte ohne Mühe? Und so gehe ich jetzt dann den dritten Tag in die Arbeit mit dem Wissen, dass ich noch eine Weile brauchen werde, bis es sich wie Alltag anfühlt.
      Alles Liebe 😊

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