Schlaflos in New York

Alles was ich an Tipps zum Einschlafen habe, für euch.

Als 16- Jährige stellte ich mir immer vor wie toll das sein müsste, mit Schlafstörungen in einer Stadt zu leben, die niemals schläft. Jaja, immer schön nach Außen schauen um Lösungen zu finden, bloß nicht nach Innen, zum eigentlichen Problem.

Ich hatte schon lange vor einen Beitrag zum Thema Schlafen zu schreiben, heute fühle ich mich danach. Manchmal war es mir zu sensibel, dann wollte ich das ungute Gefühl nicht noch triggern, indem ich hier darüber schreibe.

Seit zehn Jahren erprobe ich mich nun in dieser Hochleistungsdisziplin, dem Zum-Schlaf-Kommen, dem Einschlafen, dem Abschalten und der Rückführung meines Schlafes zur Normalität. Ob letzteres jemals so wirklich klappen wird – ich weiß es nicht. Manchmal frage ich mich, ob mein wirklich gestörtes Verhältnis zum Schlaf mit einer Essstörung zu vergleichen ist(ohne etwas degradieren zu wollen). Denn wo ich schlafe, wie ich schlafe und wann ich schlafe ist für mich seit einem Jahrzehnt keine Angelegenheit mehr, die irgendwie nebenbei abläuft, die alltäglich oder gar normal ist. Einfach so weg fahren ohne zu wissen, wo ich unterkomme? No way. Mit irgendwem Anderen im Zimmer schlafen, der nicht mein Partner ist? Herzrasen, schon im Voraus. Und das ist schon ein ziemlich, ziemlich guter Zustand. Denn es gab Jahre, in denen ich Angst bekam, sobald es dunkel wurde, ich stundenlang eine Panikattacke nach der anderen bekam, in denen sich die Nacht anfühlte, wie mein größter Feind. Wie einer dieser Dementoren bei Harry Potter, der alles helle, alles gute vertreibt. Zwangsläufig habe ich mir einige „Gegenmaßnahmen“ konstruiert und ausprobiert, von denen ich euch heute erzählen möchte.

Ich fange jetzt nicht an mit Koffein/ dem Handy/ Alkohol/ etc. – das kann man auf jeder Ratgeberseite nachlesen.

Schlafhygiene – sollte man kennen!

Hilfsmittel:

Da ich auf Schlafmittel und Benzos paradox reagiere, davon also so etwas wie Herzrasen bekomme, fielen solche Geschichten für mich komplett weg. Das ist vielleicht nicht einmal das verkehrteste gewesen, weil ich sonst all die anderen Wege nie versucht hätte. Jedenfalls helfen mir mittlerweile Baldrian, Lavendelöl, Melisse oder Passionsblume in Tablettenform bei leichteren Einschlafstörungen. Da gibt es bestimmt auch noch ganz viele Hausmittel oder Tees. Wichtig finde ich für jeden selbst herauszufinden wann er/sie pflanzliche Präparate am besten einnimmt. Lavendelölkapseln wirken bei mir zum Beispiel erst nach 2 Stunden, Baldrian forte wirkt dagegen schon nach 30 Minuten.

Äußere Bedingungen:

Hier habe ich für mich die Erfahrung gemacht, dass ich in diesem Punkt tief in mich hineinhören musste, um herauszufinden, wodurch ich mich wohl fühle. Obwohl dem Körper durch Licht und Helligkeit suggeriert wird, dass die Gehirnaktivität angekurbelt werden muss, konnte ich manchmal nur mit einer kleinen Leuchte schlafen. Sie gab mir Sicherheit. Sinnvoll ist es auf jeden Fall das Bett nicht zum Lebensraum, sondern zum Schlafplatz zu machen – denn unser Körper und unser Kopf sind durchaus gut konditionierbar. Wenn man nur im Bett schläft, assoziieren wir damit unterbewusst auch nur Schlaf. Allerdings habe ich das, seit ich in einem Wg-Zimmer lebe und besser schlafen kann, auch wieder gelockert. Bestimmt zwei Jahre habe ich auch Schlafmasken getragen, weil es mir sonst zu hell war.

Rituale

Sind erstmal anstrengend und nervig, haben aber durchaus ihre Daseinsberechtigung. Wie bereits erwähnt, der Kopf lässt sich durch so etwas beeinflussen. Und so war meine Schlafmaske nicht nur da, um Helligkeit auszugleichen, sondern auch ein deutliches Signal dafür, dass der Alltag aufhört, in dem Moment, in dem ich sie aufsetze. Sei es diese eine bestimmte Serie, das Lesen aus einem gewissen Buch, der Abend-Tee, das alles hilft uns beim Abschalten. Für mich gehört aktuell ganz wichtig dazu, dass ich mein Handy ab 21 Uhr auf laut- und vibrierlos schalte.

Meine Einschlaftricks:

Alles, das ablenkt ist hilfreich. Von Sorgen, Ängsten und Gedanken über das Einschlafen. Hier habe ich verschiedenste Methoden ausprobiert. Heute fällt mir deren Anwendung schwerer, als früher, weil ich nicht mehr so oft darauf angewiesen bin und dann schon beinahe darüber genervt, dass es nicht einfach so klappt. Dennoch bin ich froh, dass ich gewisse Dinge noch beherrsche. Übrigens, was ein paar Wochen oder Monate beim Einschlafen hilft, kann plötzlich nicht mehr derart hilfreich sein – das musste ich häufig feststellen. Aber Schlafstörung, haha – so leicht geben wir nicht auf, wenn du dich änderst, verändern wir uns einfach mit.

  • Ganz lange zur Seite stand mir das Zählen. Nein, keine Schafe und vor allem nicht von 1 bis 174957. Auf keinen Fall. Dazu war mein Kopf viel zu clever. Kam ich bei 100 an und war ein wenig ruhiger geworden, bekam ich sofort Herzrasen, weil ich mir dachte OH JE – 100 und du kannst immer noch nicht schlafen. Also fing ich irgendwo an, bei 24 oder so und zählte immer eine Weile aufwärts und dann wieder zurück. So, dass ich nie wirklich wusste, wie weit ich eigentlich schon gezählt hatte.

 

  • Zu Ungunsten meiner Stromrechnung ließ ich, als es zeitweise ganz schlimm war, die ganze Nacht ein Hörspiel auf REPEAT laufen. Allerdings so leise gestellt, dass ich gerade nur Stimmen, nicht aber das Gesagte hören konnte. Weil es mich beruhigte und die dunkle Nacht, in der alle außer mir schliefen, dann gefühlt nicht mehr ganz so einsam war. Und in REPEAT deshalb, weil es mir immer schrecklich Angst machte, wenn das Hörspiel vorbei war, bevor ich einschlief.  Mein Freund allerdings, der schläft innerhalb von Sekunden ein, bei einem Hörbuch. Ich denke Ausprobieren lohnt sich in jedem Fall…

 

  • Den Tag vom Morgen an Revue passieren lassen. Aber HALT, nicht in dem Tempo, das unser Gehirn dabei gerne hätte. Nein. Mit welchem Fuß bist du heute morgen eigentlich aus dem Bett gestiegen? Und was genau hast du dann gemacht? Dich angezogen? Vorher noch einen Schluck Wasser getrunken? Mit welcher Hand hast du das Glas gehalten? Wenn ich die Geduld hatte dieses Spiel zu spielen, dann bin ich niemals bis zum jetzt gekommen. Aber lasst keine Einzelheiten aus.

 

  • Über ganze Monate bastelte ich mir eine Art Vorstellung in meinem Kopf, in der ich allein und unabhängig in einem ausgehöhlten Baumstumpf lebte. Keine Ahnung wieso genau das, spielt jetzt auch keine Rolle. Auf jeden Fall lag ich dann im Bett, hatte die Augen geschlossen und stellte mir die Geräusche aus meiner Umgebung passend zu meinem Leben im Baumstamm vor. Ich malte mir die Einzelheiten aus und geriet so gedanklich immer mehr von meiner Einschlafsituation weg, in Richtung Ablenkung und Entspannung. Leider klappt das schon lange nicht mehr. Aber auch heute liege ich noch oft da und versuche mir vorzustellen, meine Situation gerade sei eine ganz andere, denn so haben meine Panik und Angst weniger Platz und ganz nebenbei schaltet mein Kopf ab.

 

  • Klar, was einen aufwühlt, das sollte am Besten aufgeschrieben oder hinausgeredet werden. Dann sind die Gedanken ein bisschen aufgeräumter. Mir hilft außerdem, wenn ich mir sage, dass meine Sorgen/Ängste/ Gedanken nicht davon laufen und ich mich auch Morgen noch mit ihnen befassen kann.

 

  • Ich schiebe mir immer ein Kissen oder sonst etwas unter mein Herz (Rückenschläfer sind da natürlich raus), weil man dann das pochende Herz etwas weniger spürt. In meinem Fall sind es meistens ein Panda und ein Leopard, die ich trotz meiner 26 Jahre noch sehr gerne in meinem Bett beherberge. Weil etwas umarmen nämlich hilft.

 

  • Progressive Muskelentspannung – damit kann ich zwar nicht einschlafen, nein, eher möchte ich es nicht. Weil es mir gut tut und ich es nicht in Zusammenhang mit dem Gefühl des Nicht-Schlafen-Könnens in Verbindung bringen möchte. Macht nichts, am Tag einmal innezuhalten hilft auch schon das Chaos im Kopf aufzuräumen.

 

  • Du kannst nicht schlafen? Das ist nicht immer so schlimm, wie es sich anfühlt. Solange du nämlich keine Panik oder ein rasendes Herz dabei hast, erholt sich der Körper dennoch, solange du im Dunkeln da liegst. Natürlich ist das kein Vergleich zum richtigen Schlaf, man kann aber trotzdem noch funktionieren.

 

  • Mein allerlängster, liebster und manchmal so nerviger Trick. Die Atmung, die gute alte Atmung. Bei jedem Einatmen das Wort „Einatmen“ mitzudenken, war meinem Kopf leider zu blöd. Also fing ich an bei jedem Einatmen das Wort „Ausatmen“ zu denken und umgekehrt. Irgendwann stellt man dann fest, dass der Kopf nicht mehr klar genug denkt und dann doch die richtigen Worte zuordnet. Ich habe das so oft gemacht, dass ich heute noch bei Meditationen das falsche Wort zu meiner jeweiligen Atemtätigkeit denke. Aber was soll’s? Diesen Trick habe ich schon einigen Leuten verraten, die oft auch nur ganz selten nicht schlafen können. Bei den meisten hilft es.
  • Nicht um jeden Preis liegen bleiben. Das habe ich nämlich viel zu lange getan. Bis das Bett für mich zu einem Ort des Schreckens, einem Ansitz der Panik wurde. Statt sich die ganze Nacht durchzuquälen, schalte ich dann mittlerweile doch lieber das Licht an, ein kleines und schwaches versteht sich und lese. Oder mache was auch immer. Auf jeden Fall lenke ich mich ab.

 

  • Sudoku/ Kreuzworträtsel

So. Das ist schon einiges – ich bin mir aber sicher, dass es längst nicht alles ist. Meine Wortwahl ist heute eh nicht so besonders und mein Kopf und Körper haben heute einen echt langen Tag hinter uns. Verzeiht es mir und ergänzt sehr,sehr gerne. Natürlich hoffe ich, dass das hier nicht nur Menschen lesen, für die die Schlaf-Thematik ebenso schwierig besetzt ist, wie für mich. Ich hoffe einfach, dass für alle, für den Ein oder Anderen etwas dabei ist – und alle Siebenschläfer, Tiefschlafenden und Tiefschlafentspannten weiterhin so (ein bisschen beneidenswert) gut schlafen, wie bisher.

Für all jene, denen es ähnlich geht oder ging wie mir…Schlaflosigkeit ist eines der fürchterlichsten Dinge, die ich bisher erlebt habe. Die ruhelose Nacht hat mich kaputt gemacht, mein ganzes Denken in dunkles Schwarz getaucht und der Erholung jede Normalität geraubt. Ich weiß wovon ich spreche. Obwohl ich mittlerweile vielleicht auf ein oder zwei komplett schlaflose Nächte im Jahr komme – und das ist zu früher echt nix – machen selbst diese beiden mich verrückt. Weil die Angst davor, dass mir die Fähigkeit Schlafen zu können noch einmal so abhanden kommt, sofort wieder groß wird. Fakt ist aber, dass ich es so oft schaffe und ich den Traum habe, dass die Thematik für mich eines Tages wieder etwas normales sein wird.

Es macht einen derart großen Unterschied, ob man sich bewusst dazu entscheidet nicht zu schlafen, weil man feiert, etwas im Fernsehen zu Ende gucken will oder ob man es schlichtweg nicht kann.  Ach und…Uhren mit leuchtendem Schriftzug oder lautem Ticken sind ziemlich hinderlich.

11 Gedanken zu “Schlaflos in New York

  1. Danke für die vielen Anregungen zum Abreagieren ;-). Auch ich kenne das mit dem Karusell im Hirn und nicht Abschalten können.
    Mir hilft da meistens vor dem Schlafengehen noch ein Natron Fußbad zu nehmen (mindestens eine halbe Stunde) das entschlackt und entgiftet auch gleichzeitig und macht schön müde.
    Was auch hilft um den Kopf schön leer zu kriegen ist Sudoku lösen.
    Vielleicht kannst Du das Deiner Liste noch zufügen.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo.

    Das mit dem Atmen gefiel mir am besten, wie Du Dir denken kannst. Deswegen ruf‘ ich Dich gerne nochmal auf, dass mit den Farben und Deiner Fantasie in Verbindung zu bringen. Und nicht ausschliesslich mit diesen beiden Wörtern.
    Du weisst schon:
    https://yuckfou.wordpress.com/2017/02/24/sleep-again/

    Probier’s vielleicht noch’n paar Mal? Musst es nicht zwingend mit Chakren in Verbindung bringen. Wird auch so gehen.

    Schönen Gruß…v.sv3NZØN

    Gefällt 1 Person

  3. Schön, zu lesen, dass es anderen auch so geht. Ich habe auch meine Probleme mit dem Schlafen, phasenweise ganz arg, phasenweise fast garnicht. Baldrian und Bachblütentropfen helfen mir meist. Oder Melantonin kn Ausnahmen. Manchmal hilft auch einfach garnichts. Tägliche Rituale, bewegung an der Luft sind Dinge die mir gut tun. Und tatsächlich der Gedanke, dass man auch mal mit 1-2 Stunden Schlaf einen Arbeitstag durchstehen kann. Wünsche dir alles Gute.

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