Eigentlich alles gut, oder?

Ich will hier keinen Quatsch erzählen oder irgendwas verdrehen – ich hatte ein wunderschönes Wochenende. Mit einer gewaltigen Menge an Sonne war ich die meiste Zeit unterwegs, habe königlich gespeist, war mit H. und Freunden zusammen und habe sogar einen Ausflug nach Salzburg gemacht. Uns allen ging es gut – echt allen? Weil…

Irgendwann fand ich mich in Salzburg wieder, stand da und hörte das Monsterherz ganz leise anklopfen – was eigentlich wenn du hier jetzt zu Weinen beginnst? Wenn hier alle glücklich sind und du schweren Herzens versuchst Schritt zu halten? Was dann? Wenn dich die Gefühle der Depression nach unten ziehen? Und du untergehst…Immerhin bist du hier in einer fremden Stadt und kannst nicht allzu schnell nach Hause.

Ein Auszug aus „Wie man sich seine Zeit selbst verschlechtern kann.“ – oder so ähnlich. Ich meine, ich könnte mich auch einfach über die fremden Eindrücke freuen, über das sonnige Wetter und die angenehme Gesellschaft meiner Freunde. Und das IST einfach hinnehmen. Natürlich hat sofort die gesamte Maschinerie ihren Betrieb aufgenommen, ich fühlte mich schuldig und undankbar, weil ich den Rahmen eines so schönen Tages mit dunkelgrau zu füllen begann. Versuchte mir nichts anmerken zu lassen, um die Stimmung nicht zu trüben und ich ganz einfach auch keine Lust hatte mit meinen depressiven Gefühlen anzufangen. Gerade weil es H. oft so schwer fällt meinen Emotionen hinterher zukommen und eben diese nicht auf sich zu beziehen. Ein bisschen ärgerlich war ich, dass ich ein so dermaßenes Gewohnheitstier bin, weniger gut im spontan sein und eher unsicher- ängstlich, wenn es darum geht Unbekanntes zu erkunden. Denn was ist, wenn ich plötzlich eine Magen-Darm-Erkrankung bekomme oder der Kreislauf spinnt und ich umkippe? Ja,ja,ja – an diesen Punkten merke ich die genetische Disponenten meiner Erkrankung immer ganz außerordentlich – meine Oma fuhr keine öffentlichen Verkehrsmittel, weil was wäre wenn sie auf die Toilette müsste und es aber ja keine gäbe? Das alles engt ein, schafft Verunsicherungen, Grübeleien und Überlegungen, die nicht unbedingt, nein, die nicht sein müssten. All das macht, dass ich weniger DA und mehr WOANDERS bin und dabei wäre ich doch so gerne einfach da. Ankommen. Sein. Nicht mehr wollen. Ha! Ein Teufelskreis. Ich akzeptiere mich nicht – will von den Gefühlen und Ängsten nichts wissen – ich akzeptiere die Situation nicht – ich kann nichts annehmen und schon gleich gar nicht den Moment.

Aber liebes Monsterherz, ich habe in letzter Zeit dazu gelernt, auch wenn du mal ohrenbetäubend laut wirst, kann es sein, dass du eine Stunde später wieder zufrieden verstummst. Du kommst, du gehst, du bleibst manchmal gefühlt zu lange. Mittlerweile male ich mir Szenarien wie die eines Nervenzusammenbruches in der jeweiligen Situation aus und stelle in der Regel fest, dass alles weit weniger dramatisch würde, als ich es mir vorstelle. Trotzdem, manchmal bin ich wie ein kleines tobendes Kind, das weint und schreit und wütet, weil es irgendetwas nicht schafft. Das geschieht alles innerlich – so bekommt man mich eher nicht zu Gesicht. Aber ich kann den Moment nicht annehmen, ich kann mich nicht akzeptieren und komme nicht damit klar, noch immer nicht, dass ich nicht die bin, die ich sein will, die ich sein wollte und bisher nicht wurde.

Bin ich denn nie genug? Und kann ich mich vielleicht einfach Mal so sein lassen, wie ich bin? Denn mit so vielem bin ich EIGENTLICH zufrieden – wenn ich nicht gerade meine Scheuklappen trage.

Übrigens, am Ende dieses Ausfluges saß ich mit den Anderen im Zug, einer Flasche Rotwein, einem Spiel und dem Gefühl für den Moment angekommen zu sein. Geht doch 😉

 

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Was machen denn all die Anderen da draußen, die wie ich zwar gerne Dinge erleben, dann aber eigentlich doch wieder Angst vor etwaigen Gegebenheiten haben? Die ein Tagestrip nach Salzburg ein klein wenig überfordert…so wie mich 😦

11 Kommentare zu „Eigentlich alles gut, oder?“

  1. Manchmal garnicht erst fahren. Manchmal fahren und alles läuft ziemlich gut, abgesehen von aufkeimenden Zweifeln und Ängsten, wie Du es auch so gut beschrieben hast. Mal mehr, mal weniger. Und manchmal klappt es nicht so gut und dann senkt sich die Laune, in dem Versuch, das zu überspielen, zu verdrängen oder mich halt dagegen zu wehren (Oder ich richte die Laune und schlechten Gefühle nach außen, das kommt aber eher selten vor.). Manhcmal ist es auch nur aushalten. Und manchmal, ist einfach alles gut 🙂

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      1. Solche Leute nehm ich mir als Vorbild 😉 Ich kann es immer gar nicht so richtig fassen, dass Menschen sowas schaffen können. Ich trau mich ja kaum alleine vor die Haustür. Aber es zeigt mir das die Welt gar nicht so gefährlich ist. 🙂

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  2. Hallo. Ich wollte dir einfach mal DANKE sagen. Danke, dass du so viel Mut hast, offen und ehrlich zu dir selber zu sein und das dann auch mit uns Lesern zu teilen. Für mich bist du eine unendliche Hilfe, dass ich besser verstehe, was in meinem Kind so vor geht. Wie sie sie “ tickt“. …. Manches kann ich „einfach nicht nachvollziehen“ , weil ich das nicht kenne. Dann schäme ich mich für meine Gedanken meinem Kind gegenüber, meiner manchmaligen Ungeduld oder doofen Gespräche…. Du lehrst mich unglaublich mein Kind beser zu verstehen, es mit anderen Augen zu sehen. Danke. Danke für deinen Mut! Und dir von 💛-en alles Gute. LG

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  3. Bei Deinem Artikel fällt mir das Buch vom Watzlawik ein: Die Kunst unglücklich zu sein. Kennst Du das? Ja, Du und ich wir sind nicht allein mit sowas, ich kenne das sehr gut von mir und wenn sogar zu solchen Themen Bücher geschrieben werden….scheint es vielen so zu gehen.
    Aber wir leben auch ein „Trotzdemleben“ nicht wahr?
    Alles Liebe
    Melinas

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