Autsch.

Depression tut weh. Verdammt weh. Sogar dann, wenn sich alles wie ein großes
schwarzes Nichts anfühlt. Wie absolute Leere, in der nichts bleibt, als das verzweifelte Rudern der Arme auf der Suche nach Halt.
Das wird mir, [abgesehen davon, dass ich es selbst schon erlebt habe und erlebe,
immer wieder sehr bewusst,] vollkommen klar,wenn ich hier manche Beiträge lese.
Jeder bleibt gerne den ganzen Tag im Bett, wenn er/sie das freiwillig so entscheidet.
Zum Film schauen, wegen dem Glas zuviel am vorherigen Abend, einfach so.
Wenn es aber nicht anders geht, weil man nicht kann, weil man ausgesaugt, leer,
weil man verzweifelt und bodenlos kaputt ist, dann hat das mit freiem Willen
nichts mehr zu tun. Basalste Dinge plötzlich nicht mehr tun zu können, Einfachstes
nicht mehr zu schaffen, sind eine der nachhaltigsten und erschütterndsten
Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Ich glaube nicht, dass es sich nur mit psychischen,
sondern eher mit allen chronischen oder so lebenseinschränkenden Krankheiten so
anfühlen kann.

Deshalb bricht es mir das Herz, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen noch
immer so sehr mit sich selbst zu kämpfen haben, weil Depressionen doch ganz anders
eingestuft werden, als physische Erkrankungen. 

Auch ich traue mich nicht in der Arbeitswelt dazu zu stehen oder überhaupt in der Gesellschaft. Wir haben uns das
nicht ausgesucht, wie sich eben niemand irgendwelche Krankheiten aussucht und diese
Erkrankung beeinflusst das Leben zum Teil so sehr, dass es sich grundlegend verändert.
Ich will mich nicht dafür schämen, dass ich mit Depressionen lebe. Ich will stolz
sein, weil ich trotzdem lebe und mich in die Gesellschaft einpasse.

Eben habe ich lange mit meiner Mutter telefoniert, die wie ja einige Mitleser wissen
ziemlich übel Krebs hat. Und viele Jahre lang war es sehr schwer zwischen uns, sie kämpfte
um ihr Leben, während ich meines gerade einmal irgendwie ertrug. Nicht einfach.
Mittlerweile kommen wir aus. So unheimlich gut, dass es mein Herz fast zum Platzen
bringt. Und wir verstehen uns. Ich sie, sie mich. Es hat acht Jahre gebraucht um
sie zu überzeugen, dass Depression keine Charakterschwäche ist, ich nicht einfach
schwach, faul oder undankbar – ganz ohne etwas bewerten zu wollen.
Ich habe mich unermüdlich erklärt, dadurch auch über mich gelernt, manchmal habe
ich für eine Weile aufgegeben. Und doch, jetzt endlich wird meine Krankheit von
ihr als Krankheit angenommen. Ich hoffe das passiert noch sonst wo auf der Welt.
Deshalb ist dieser Beitrag überhaupt entstanden.

Denn ich weiß wie sich dieser Kampf für und um sich selbst anfühlt und wie viel Kraft die Erkrankung erfordert.
Ihr seid nicht schwach, ich bin es nicht.
Nein, auch wenn es sich gerade überhaupt nicht so anfühlt, super seid ihr!!!

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9 Gedanken zu “Autsch.

  1. Ich finde die Art wie du schreibst sehr angenehm. Schreib weiter! Die wenigsten anderen Blogs zu diesem Thema lese ich. Die Gründe dafür liegen nicht in irgend einer Form der Geringschätzung. Ich bin auch betroffen und habe mir deswegen meine eigenen Gedanken dazu gemacht. Mir haben sie geholfen. Wenn sie einem anderen Menschen auch helfen, schreiben wir nicht umsonst. Vielen Dank für Dein Interesse an meinem Blog.
    Luke

    Gefällt 1 Person

  2. Hast Du super beschrieben.
    Ich bin den Weg gegangen, über meine Depression auch in der Arbeitswelt etwas zu sprechen, würde das aber nur teilweise empfehlen. Wenn man gute Kollegen hat, kann das hilfreich sein (einfach, damit die wissen, was los ist, wenn man sich anders als sonst verhält), bei den Vorgesetzten kann es problematisch werden, weil man nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Sind zumindest meine Erfahrungen, das muss natürlich nicht überall so sein. Auffällig war außerdem, dass viele Kollegen dann „ich auch“ sagten und ihre Geschichte erzählten… Als ob sie sich freuten, sich endlich mal austauschen zu können. Vielleicht waren sie auch ein bisschen froh, kein „Einzelfall“ in der Firma zu sein.

    Gefällt 1 Person

    • Mhm – meine Therapeutin meint auch, dass das nicht unbedingt vollkommen empfehlenswert ist, sich in der Arbeitswelt zu „outen“. Das macht ja auch immer was mit den Menschen und deren Umgang mit einem selbst. Dabei macht mich die depressive Gefühlswelt in der Arbeit und sowieso nicht hauptsächlich aus.
      Da komme ich dann ganz gut zurecht, wenn es belastende Umstände in meinem Leben gibt, die ich dann vorschieben kann. Eine Halbwahrheit, mit der ich leben kann…
      Und es ist ja auch fraglich, ob man chronische Erkrankungen im Allgemeinen an die große Glocke hängen will/muss.
      Ich glaube es geht so sehr um die Selbstakzeptanz. Ich habe eine Erkrankung, die mich nun mehr seit vielen Jahren begleitet – aber muss der Arbeitgeber wissen, ob ich deshalb zu Hause bleibe?
      Ich denke ich muss das als richtigen Krankheits- und Zuhause-bleib-Grund akzeptieren und dann ist mir das vielleicht auch nicht mehr so wichtig darüber zu sprechen.
      Wer weiß, vielleicht gab es ja selbige Diskussionen und Überlegungen einst auch zur chronischen Nasennebenhöhlenentzündung 😁 und in zwanzig Jahren sind Gespräche über Depression in der Arbeitswelt ganz normal 😉

      Gefällt 1 Person

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