Die Akzeptanz und ich.

Wir kennen uns noch nicht sehr lange und ich finde sie noch immer recht befremdlich, diese Akzeptanz. Obwohl ich weiß, dass sie alles so viel leichter macht, erdrückt die Vorstellung an sie mich oft nur. Nimmt mir die Luft zu Atmen. Raubt mir all meine Energie. Legt mich lahm. Ich finde sie anstrengend, ungeheuer anstrengend – und dennoch räume ich ihr Platz in meinem Leben ein, weil ich ohne sie einfach nicht mehr kann.

Da ist keine Kraft mehr, um andauernd gegen mich selbst anzukämpfen, gegen all die Teile an mir, die ich nicht mag, die ich nicht liebens- oder schätzenswert finde. Ich halte ihn nicht aus, diesen Käfig, den ich mir wieder und wieder selbst baue, dieser Teufelskreis, in dem ich mich dafür verachte, dass ich mich schlecht fühle, wodurch es mir nur noch schlechter geht. Und das Unvermögen meine eigenen Leistungen wahrzunehmen, zu beurteilen. Das ICH, welches ich nun jahrelang war ist mir zu schwer geworden, ich kann es nicht mehr tragen, es nicht mehr halten und nicht mehr damit leben.

Also sage ich mir neuerdings in Momenten der depressiven Gefühlslagen, dass ich sein darf – auch so. Ich gestatte es mir mich schlecht zu fühlen, spreche es mir wie ein Mantra vor. Immer noch suche ich nach Gründen – warum geht es mir denn jetzt wieder schlecht? Es gibt viele Auslöser, darunter winzig kleine, die ich möglicherweise erst in einigen Jahren erkennen werde. Und was ist eigentlich mit dem genetischen Faktor? Meine Familie ist voll von Ängsten, von Panik und Depressionen, diesen Part gibt es auch – aber ist da auch Akzeptanz? Nein. Noch nicht. Dabei kann ich da nichts für, ich habe mir das nicht ausgesucht und ich habe es nicht beeinflusst, ich habe noch nicht einmal gelebt, als gewisse Weichen für mein Leben gestellt wurden. Zeit damit meinen Frieden zu machen, oder? Es gibt da einen Teil in mir, der schon so auf die Welt kam, der durch „günstige“ Faktoren ausgelöst und nun eben da ist – dafür muss ich mich überhaupt nicht verurteilen. Das schreibe ich hier und tue es doch wieder, aber vielleicht schon ein bisschen weniger, als noch vor zwei Monaten. Manchmal darf man mit seinem Schicksal hadern, mit seinen chronischen Erkrankungen, mit der Umwelt, manchmal bin ich erzürnt, traurig, verzweifelt und kraftlos. Und doch mündet ja alles in der Akzeptanz. Weil ich erst dann aufhören werde mich selbst zu verurteilen, wenn ich mir gestatte zu sein, so wie ich bin, so wie ich wurde, so wie ich auf diese Welt kam.

Meine Vergangenheit kann ich ebenso wenig ändern, wie meine genetischen Dispositionen – aber ich kann für meine Zukunft kämpfen und vielleicht auch für die, die da nach mir kommen mögen. Und dafür, dass ich den Umgang mit dieser unendlich anstrengenden Akzeptanz lerne, weil er ja doch so unglaublich wichtig ist.

 

Heute ist einer dieser Tage, an denen mir das wahnsinnig schwer fällt. Die ganze letzte Woche war Stress, das Wochenende auch viel Stress, kaum Zeit für mich, letzte Nacht fürchterlich geträumt, ungute Stimmung im Team auf der Arbeit und ich einfach nur genervt. Darf ich das? Darf ich genervt sein? Und ist das dann gleich wieder etwas depressives, wenn ich mich jetzt schlecht fühle? Oder etwas anderes? Was würde mir jetzt gut tun? Was sollte ich besser lassen? Was ist eigentlich normal? Und wie sollte ich mich fühlen?

Ich zu sein ist manchmal so anstrengend und nicht leicht zu akzeptieren 😀

13 Kommentare zu „Die Akzeptanz und ich.“

  1. „Heute ist wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage und mich ständig selber frage, warum mich all diese Gefühle plagen…“
    Akzeptanz braucht eine ganz wichtige Hilfskraft namens Eigenverantwortung. Ich persönliche finde da spirituelle Ansätze sehr hilfreich. Wenn wir alles nur in diesen sehr engen Grenzen unserer Wahrnehmungsfähigkeit und des rein physischen Bereichs anschauen, kommen wir eben auch schnell an diese Grenzen. Ich persönlich glaube, dass wir mit einer Art Drehbuch hier sind. Wie in einem riesigen Theaterstück. Bevor wir auf die Bühne kamen, kannten wir das Drehbuch schon und haben es längst, Achtung, akzeptiert. Nur gehen wir so in unserem Schauspiel auf, dass wir vergessen haben, dass es eben nur das ist. Ich finde es sehr hilfreich, mich auf diese Meta-Ebene zu begeben und mir die größeren Zusammenhänge anzuschauen. Das hilft Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und das wiederum öffnet der Akzeptanz die Türen. Zumindest in meiner Erfahrung. Vielleicht kannst Du damit ja was anfangen…

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    1. Ja – das klingt ziemlich hilfreich. Ich stehe ohnehin noch ziemlich am Anfang, was Selbstakzeptanz angeht. So lange befasse ich mich damit noch nicht und auf dieser Welt will eben wirklich alles gelernt sein 🙂

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  2. Meine Therapeutin hat mir mal etwas gezeigt, was ich sehr hilfreich finde. Dabei reibt man einen Punkt unter dem linken Schlüsselbein und sagt zu sich selbst (Beispiel): „Auch wenn ich mich jetzt gerade depressiv fühle, lerne ich es, mich selbst zu lieben und zu akzeptieren.“ Ich finde das super hilfreich – auch wenn es sich erstmal komisch anhört und auch anfühlt. Ich habe das gerade mal gesucht und das hier dazu gefunden: http://www.dr-michael-bohne.de/fileadmin/user_upload/pdf/Suggestionen_Bohne.pdf

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  3. Hallo, ich bin finde mich gerade selbst total in deinem Artikel wieder… Die Akzeptanz soll alles besser machen, aber sie erstmal zuzulassen und aufhören ständig alles zu hinterfragen ist schwer. Ich denke es gibt kein normal, oder richtig fühlen, so wie du dich gerade fühlst ist es richtig, denn Gefühle kommen und gehen, man muss sie halt einfach hinnehmen nachdem man sie wahrgenommen hat. Ich denke es ist ein großer Schritt für dich zu versuchen es zu akzeptieren, denn mit Versuchen fängt doch alles an oder?
    Mir hilft es wenn ich mal unten bin (also mich nicht normal fühle) mich zu fragen, würde es was ändern jetzt fröhlich zu sein? Oder ist es einfach die Situation in der ich vll auch etwas depressiv sein darf
    LG Elli

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      1. Ich denke irgendwo hat doch jeder das Problem, das er es einfach nicht schafft so zu sein, wie er ist… Einfach die Gefühle zu akzeptieren – wir wollen immer perfekt sein und werden doch aber auf dem Streben danach unperfekt…

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  4. Hey, ich habe zwar noch keine depressive Erfahrungen gehabt, aber ich hatte natürlich auch Momente, wo ich an meine schlechten Eigenschaften dachte. Es hat mich innerlich zerfressen. Es ist völlig in Ordnung deine Gefühle freien Lauf zu lassen. Wenn du wieder an einem Punkt angekommen bist, wo du an dir selbst zweifelst, denke stets auch an die guten Seiten an dir. Deine Fähigkeiten und guten Eigenschaften, wofür du geliebt und respektiert wirst, sollen Überhand nehmen. Nicht umgekehrt. Es gibt immer einen Weg nach vorne, auch wenn du ihn vielleicht noch nicht siehst. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute ♡

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