Meine Stille

Manchmal ist mir das Still der Menschen zu laut und da bleibt mir nichts, als Ruhe im geschrieben Wort zu suchen.
Mich darin vergrabe, von allen Seiten zudecke, bis nichts mehr zu sehen ist.
ICH VERSCHWINDE.
Weil ich das tiefe Lachen, dieses helle Gurren, jenes kratzige Räuspern und absolut jedes unnötige der unzähligen Geräusche nicht ertragen kann.
Der Partner ZU LAUT.
Der Mann im Bus hinter mir ZU LAUT.
Das Kaugummi kauen der Frau vor mir ZU LAUT.
Und das gerade ich, diejenige, der man nachsagt den Mund nicht stillhalten zu können.
Die, die immer etwas zu sagen hat, auch wenn es gar nichts zu sagen gibt.
Ja, gerade ich verlange innerlich schreiend und in mir drin beinahe explodierend nach jener ohrenbetäubenden Stille.

Ich brauche ein Still, das nichts verlauten lässt, als das monotone Fallen des Regens auf den Asphalt, das dauerhafte Rauschen der immer-wachen Autobahn, den Wind, der von links und rechts um die Häuser peitscht.

NUR KEIN GESPROCHENES WORT.
KEIN KLOPFEN.
KEIN PIEPSEN.
KEIN EINZIGES ÜBERFLÜSSIGES GERÄUSCH.

Ich lehne mich erst zurück wenn ich die schwarzen Druckbuchstaben auf dem kühlen weißen, dem dünnen Papier erblicke.

Warum ich so bin? Wo ich nun nicht zu den Personen zähle, in deren Ruhe eine unbändige Kraft liegt? Ich weiß es nicht.

Aber ich brauche sie, die Stille, brauche sie wie Luft zum Atmen. Werde unruhig, drehe mich im Kreis und die eben noch passenden Räume werden mir viel zu eng.

Stille.

Gibt es noch Andere, die da so speziell sind, wie ich?

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17 Kommentare zu „Meine Stille“

      1. Das muss ich auch manchmal, das ist natürlich schwierig für Mitmenschen zu schlucken, oder gar zu verstehen. Aber was bleibt Dir über, als das zu kommunizieren? Einfach schlucken und still aushalten? Weglaufen? Verkriechen? Ich finde, dass musst Du nicht. 🙂

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  1. Ja, Du beschreibst einen großen Teil von mir. Als Freunde damals für eine Weile zu mir gezogen sind, haben sie sich eine tolle, lustige, gesprächige, gemeinsame Zeit versprochen. Weil sie mich ja so kannten. Sie wurden sehr enttäuscht und ich war schnell mit den Nerven am Ende.
    Du bist damit nicht allein. 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Ich auch. Und jetzt stell Dir vor am Abend tanzt ein Kleines Wunder um Dich herum und wiehert und wiehert und wiehert wie ein Pferd auf Speed, weil es gerade ein Pony ist und Hafer möchte. 😀 Die Geräuschkulisse die mein Kind so herstellt ist manchmal echt eine riesige Herausforderung für mich.

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