Alltagstrubel.

Firlefanz.
Die letzten 1,5 Monate habe ich ziemlich hart gearbeitet. Ich kam in einen Chaosladen, ohne Grundgerüst, in dem ich mich größtenteils allein durchwühlen musste. Bei etlichen die Stimmung dauer-mies, die Besprechungen kreisen immer um dasselbe. Und eine Lösung gibt es irgendwie nicht. Ich bin nicht dazu da, um das alles zu ändern – das kann und will ich auch nicht. Und klar bin ich jemand, der sich das alles sehr zu Herzen nimmt. Ich kann eigentlich ganz gut von der Arbeit abschalten, aber in solchen Zeiten eben nicht.

Heute bin ich traurig, entmutigt und frustriert. Das Team, in dem ich landete, ist sehr direkt und konfrontativ, die Person mit der ich unmittelbar zusammen arbeite sehr unsicher und sensibel. Darauf versuche ich einzugehen. Aber das scheint nichts zu bringen.

Ich möchte sagen, ich habe ganz schön gekämpft, Energie aufgebracht und gute Arbeit abgeliefert. Zwei haben mich mit offenen Armen aufgenommen. Eine hält sich aus allem raus. Die Chefs sind von mir begeistert, nützt mir wenig bis nichts. Meine unmittelbare Kollegin wird mit mir nämlich gar nicht warm. Und eine andere findet ihre Erfüllung wohl in Unzufriedenheit.
Unsere Dame in der Küche benimmt sich respektlos.
Ich komme mir vor wie ein Eindringling, eine Bedrohung, in der Gruppe, in der ich bin. Und nicht willkommen geheißen. Dabei mache ich wirklich nichts gravierend falsch. Versuche Raum für mich zu finden, wo es irgendwie keinen gibt. Mich einzubringen. Gut drauf zu sein. Für die Kinder da zu sein – die mich sehr mögen. Ist das nicht auch einfach positiv für die Einrichtung, wenn da wer Gutes kommt?
Alle sind dauernd mies drauf, eine einzige Aufreger-Dynamik. Aufregen über Dinge, die schon seit Jahren so sind.
Das macht doch nur unglücklich?

Ich weiß, ich bin ungeduldig, in ein Team hineinwachsen braucht Zeit und so. Geduld ist nicht meine Stärke.

Aber mich macht das mürbe! Warum verhalten sich Erwachsene so? Die Arbeit als Erzieherin ist wirklich ganz schön anstrengend – wozu dann noch all der Firlefanz?
Nicht, dass ich ein perfektes Team erwarte, aber muss es so kompliziert sein?

Sieben Wochen habe ich nun dagegen gehalten. War sehr freundlich, habe versucht mich einzubringen, aber auch für mich einzustehen. Jetzt habe ich fünf Tage frei und ich bin… traurig.

Ich will endlich so gerne irgendwo ankommen.
Mich nimmt diese Stimmung langsam mit. Und ich grüble, schalte nicht ab.
Einfach nur sein.
Sein dürfen. 

image

15 Gedanken zu “Alltagstrubel.

  1. Ach wie schade. Das tut mir echt leid. Aber für dafür ist die Probezeit da, damit man gucken kann, ob es passt. Richtig gut finde ich es, dass Du trotzdem nicht an Deiner Kompetenz zweifelst! „Ist das nicht auch einfach positiv für die Einrichtung, wenn da wer Gutes kommt?“ ! Der letzte Teil des Satzen stimmt sicher. Der erste vielleicht nicht. Gerade jemand gutes kann auch eine Bedrohung sein, führt es den anderen vielleicht auch vor Augen, dass sie ebennicht so gut sind!?
    Entspann Dich schön in den freien Tagen und tu Dir Gutes. Alles Liebe, plejade

    Gefällt 2 Personen

  2. Ja, das stimmt. So fühle ich mich bei Einigen. Wie eine Bedrohung. Mal sehen…
    Probezeit habe ich gar nicht mehr, weil ich ja nur innerhalb meines Trägers gewechselt habe. Leider ist ein weiterer Wechsel momentan absolut nicht empfehlenswert, weil man gerade dorthin zwangsversetzt wird, wo größter Personalmangel herrscht. Da arbeitet man sich wirklich kaputt.

    Gefällt mir

  3. Ach sowas ist auch nervig. Das sind meist Menschen die mit sich selbst und der Welt nicht zufrieden sind und es an anderen auslassen bzw. auf sie übertragen müssen. Da solltest du wirklich aufpassen dass du das nicht zu nah an dich ran lässt, denn das kann wirklich mürbe machen. Guter Rat ist da schwierig. Halte dich an die Kolleginnennen mit denen du gut kannst und versuche die anderen nicht so nah an dich ran zu lassen. Schwierig ich weiß, ich hatte auch mal so eine Phase im Büro.

    Gefällt 1 Person

    • Ja 😑 das mache ich! Und ich muss auch wieder mehr Meditation und Progressive Muskelentspannung einbauen.
      Obwohl ich erst 26 Jahre alt bin, habe ich schon einiges durch, habe mich sehr in Gelassenheit geübt und steigere mich in Lästereien und Dinge, an denen ich nichts ändern kann, möglichst nicht hinein. Haha, das gelingt mir mit der Stimmung gerade ja sehr gut 😀
      Ich will mir das Leben eigentlich nicht schwerer machen, als es ist. Ich will das Positive sehen. Und das wollen Andere dort glaub ich nicht!

      Gefällt 2 Personen

  4. In der Hoffnung, dass ich dir eine Coaching-Frage stellen darf (die du nicht öffentlich beantworten musst, sondern einfach mal für dich selbst wirken lassen kannst): Wie sähe dein perfekter Arbeitstag in dieser Einrichtung aus?

    Gefällt 1 Person

    • Eine gute Frage.
      Ich komme dorthin, bespreche mich mit meiner Kollegin. Der Umgang ist respektvoll und freundlich.
      Dann übernehme ich meine Aufgaben. Das Team zieht an einem Strang, die Regeleinhaltung wird von allen verfolgt.
      Und dann gehe ich wieder nach Hause..
      Oder ist das viel zu undifferenziert?

      Gefällt mir

        • Ich halte mich selbst auch an alle Absprachen, verhalte mich so, wie ich es mir von den Anderen wünsche.
          Manchmal sollte ich mich vielleicht etwas zurück nehmen, wenn ich sowieso schon gestresst bin und dann noch eine Aufgabe übernehme.
          Oder ich fokussiere mich auf die Kinder und entferne mich somit von der negativen Stimmung.

          Sehr interessant 😊
          Supervision gibt es übrigens auch schon. Da war ich aber noch nie dabei, bin sehr gespannt auf das erste Mal. Den Supervisor interessiert meine Meinung als Neue und welche Missstände mir auffallen. Da werde ich ganz schön viel Mut brauchen 😏😑

          Gefällt 1 Person

        • Das könnte in der Tat sehr spannend und aufschlussreich sein.

          Wenn du dich nicht wohlfühlst, musst du ja nicht gleich alles anbringen. Und du kannst es mit geschickten Formulierungen etwas abschwächen: „Ich habe den Eindruck, dass..“, „Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob das grundsätzlich so ist, aber mir ist aufgefallen, dass..“, „Ich empfinde es so, dass…“, „Ich kenne es bisher so, dass…“ etc.

          Das klingt alles so schön leicht, wenn man das als Außenstehender sagt. 😉

          Gefällt 1 Person

  5. Mist, das stelle ich mir ziemlich schwierig vor.
    Ein gutes Arbeitsklima ist unendlich wichtig – das ist nicht nur wegen eines übersteigerten Heile-Welt-Traumes so, sondern weil es die Arbeit auch befruchten kann. Nicht zuletzt: die Kinder spüren es ja auch, wenn sie von unzufriedenen Erwachsenen betreut werden.
    Gibt es die Möglichkeit, eine Supervision zu bekommen? Dann guckt jemand teamfremdes mal, wie die Zusammenarbeit läuft.

    Gefällt 1 Person

  6. Die Gesamtsituation erinnert mich an eine eigene Erfahrung damals. Es klingt wirklich nach sehr negativer Stimmung.
    Bei den zwei, die Dich mit offenen Armen empfangen haben fühlst Du Dich auch nicht willkommen geheißen?

    Gefällt 1 Person

      • Du leistest anstrengende, oft belastende Arbeit in einem scheinbar eher destruktiven Arbeitsumfeld. Du b ist ein sehr empathischer, sensibler Mensch. Wie sollte Dir das nicht nahe gehen? Warum Du nicht darüber stehen kannst… der Frage lohnt es sich ganz sicher nachzugehen.
        Bei mir gab es auf diese Frage eine Vielzahl von Antworten, die ich mir erst viel zu spät klar gemacht habe. Dir wird das nicht so gehen. Du stellst Dir jetzt schon gute Fragen und hast viele gute Antworten. 🙂
        Ich habe mir bezüglich Deiner unsicheren Kollegin die Frage gestellt, ob es sie noch weiter verunsichert, wenn Du „darauf eingehst“? Ist das notwendig, oder macht irgendwas besser?
        Grübeln ist ein Alarmsignal, das weißt Du ja selber. Die Gesamtsituation dort ist so, dass sie negativ abfärbt. Du kannst nicht einfach die Situation dort und alle anderen ändern. Aber Du kannst für Dich ändern, was Du ändern musst, damit Du sein darfst. Ohne grübeln und traurig sein. Was wäre das?

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s