Es gibt da eine Sache, die ich so sehr an dir schätze…

Das Osterwochenende habe ich bei meiner Familie verbracht.
Es war schön, wirklich schön. Viele Jahre habe ich es nun gemieden dort zu sein – endlich ist es wieder ein zu Hause.

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Dabei wurde mir eine Sache klar, für die ich ganz und gar dankbar bin – eine Sache, die mich meine Familie gelehrt hat.

In meinem Freundeskreis habe ich einige Menschen, denen es so sehr schwer fällt über ihre Probleme, Sorgen, Ängste und das Innerste, das sie beschäftigt zu sprechen. Meistens haben sie es nie gelernt, weil in ihrer Familie sehr oberflächlich geredet und gelebt wurde. Mein Freund war einst ganz geschockt, weil ich in vor meinen Eltern fragte, wie diese und jene Droge bei ihm wirkte. Mich interessiert das, obwohl ich kein Interesse habe irgendwas davon auszuprobieren.
Der Freund fühlte sich zurecht völlig überrollt und meinte, dass nicht einmal seine Eltern das wüssten. Aber die reden da auch nicht so.
Letztlich war es dann doch ganz okay, weil meine Familie solche Gespräche gewohnt ist. Wir konnten immer alles sagen, was wir wollten, ohne dass es unseren Wert als Mensch gemindert hätte.

Allerdings geht es dadurch auch oft sehr emotional zu. Eben wurde noch Kuchen gegessen, da philosophieren wir über die Genetik, die depressive Komponente, die Ähnlichkeit zwischen meiner Oma und mir. Vielleicht spielen wird deshalb stets so viele Spiele, um die Leichtigkeit wieder zurück zu holen.
Meine Mutter selbst wurde die Offenheit auch schon zum Verhängnis, als sie letztes Jahr anfing zu trinken, musste sie sich von mir damit konfrontieren lassen.

Ehrlich, ich bin dankbar dafür. Sehr.

Nichtsdestotrotz sollte und will ich mit meinem Umfeld noch ein wenig achtsamer sein – ich überfordere manchmal ganz schön mit dieser offenen Art.
Noch dazu spüre ich vieles, gerade dann, wenn jemand viel verdrängt oder überspielt. Aber das Tempo muss angepasst sein und ich kann nicht in meiner Offenheit vorpreschen, ohne auf die betroffene Person Rücksicht zu nehmen. Aber das lerne ich schon noch, hoffentlich.

Jedenfalls danke Familie. Für’s offen sein, für’s drüber reden.

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6 Kommentare zu „Es gibt da eine Sache, die ich so sehr an dir schätze…“

  1. Das ist wirklich eine sehr wertvolle (und in der Tat sehr seltene) Familien“eigenschaft“ – das offene gemeinsame Gespräch. Konfrontation und Konflikte ansprechen und aushalten.
    In diesem Punkt habe ich noch einen sehr sehr weiten Weg vor mir.

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    1. Deshalb bin ich auch so dankbar. Meine Eltern kommen beide aus nicht-rede-familien. Vielleicht wollten sie es anders machen.
      Manchmal ist das aber auch sehr ätzend 😀 die Offenheit kennt wenig Grenzen. Da wird dann beim Essen auch Mal über die Konsistenz von Hundekot gesprochen
      Aber was soll’s, dann gibt es eben ein augenrollendes „Maaammmaaa“

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  2. Sehr schön, Dein Ostern. Ich habe einen Punkt, an dem ich nicht Deiner Meinung bin. Es ist so selten, dass Menschen wirklich offen, ehrlich sind und nicht lange taktieren, was sie sagen. Ja, das ist fürs Gegenüber nicht immer leicht, aber im Grunde immer hilfreich. Ich kann es verstehen, dass man denkt, man müsste sich anpassen und den anderen nicht ‚überfahren‘, denn so habe ich lange auch gedacht. Nur um lernen zu müssen, dass ich das nicht bin und dass es mir schadet, wenn ich mich zurücknehme um des anderen Willen. Und es macht andere auch ein Stück weit klein, denn ich sage ja, ich muss aufpassen, dass du damit umgehen kannst. Damit mute ich dem anderen nur zu, was ich glaube, was er tragen kann. So kann er mir nie zeigen, wozu er wirklich fähig ist. Also habe ich entschieden, die Filter weg zu lassen. Ich – und Du auch – bin so geschaffen, wie ich sein soll und das hat einen Sinn. Hat auch was mit Selbstannahme zu tun. Hast Du mal Eat Pray Love gelesen….?

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    1. Aber hast du damit nicht auch schon Andere vor den Kopf gestoßen?
      Ich frage die Menschen dann oft ob es ihnen jetzt gerade zu viel ist… und manchmal ist es das.
      Wie schon gesagt, in erster Linie bin ich dafür sowas von dankbar und ich weiß es zu schätzen, dass ich so bin. Eine der wenigen Eigenschaften, die ich ziemlich gut annehmen kann 😀
      Aber ich verstehe worauf du hinaus willst – mich in diesem Punkt anzunehmen und auf mich zu gucken. Ganz sicher Teil meiner großen Selbstannahme-Aufgabe.
      Ich glaub ich hab Mal in den Film reingeguckt, aber das Buch noch nie gelesen. Haben meine Eltern – leihe ich mir Mal!

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      1. *lach* na klar, ich stoße damit ständig jemanden vor den Kopf. Allerdings fühle ich mich vor den Kopf gestoßen, wenn mir jemand, der mir wichtig ist, seine echte, ehrliche Sichtweise verheimtlicht. Will heißen: es geht um Eigenverantwortung. Ich kann doch letztlich nicht wissen, wen ich womit, wie und wann vor den Kopf stoße. Das ist eine hoch individuelle Sache. Und ‚vor den Kopf gestoßen‘ ist ein Gefühl, das Gefühl ist in demjenigen, der es fühlt und der ist dafür verantwortlich. Wir triggern uns immer gegenseitig, daran wird sich nichts ändern. Ich sehe das unter dem Motto: war ein Mensch nicht dein Freund, dann war er dein Lehrer. Es kommt halt nur drauf an, ob ich die Lehre annehme oder nicht. Dann muss ich das Verhalten anderer auch nicht mehr verurteilen. Und mein eigenes auch nicht…
        Lies mal, bin gespannt, was Du erzählst. Das eigene Sein so zu aktzeptieren wie es ist, das ist eine Schlüsselszene in dem Buch. Kommt im Film aber nicht raus. Geht auch nicht, ist ne innere Angelegenheit…

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