Will I ever learn?

Ein ehemaliger Kollege fährt immer Mal wieder mit ein paar Kindern und einem Elternteil zu Fußballspielen innerhalb Bayern.
Schon lange sollte ich mit, gestern war es dann so weit. Raus aus der Arbeit, rein in die U-Bahn und hin zum Bahnhof.

Bereits unterwegs ging es mir nicht sonderlich, ein mehr an Herzschlag, allgemeines Unwohlsein – ich ahnte es schon, das Monsterherz machte sich bemerkbar.

Zwei, dreimal überlegte ich abzusagen und umzukehren, dachte über Ausreden nach und ließ es dann doch bleiben. Hatte ich doch schon zwei vorherige Termine in den Wind geschossen.

Also fand ich mich am Bahnhof wieder und die psychischen Körpersymptome wurden lauter und lauter, während ich auf den Rest wartete. Doch noch umkehren? Nein. Irgendwie bekäme ich das schon hin!

Die Woche war hart gewesen, ich kaputt, die Menschenmassen am Bahnhof überforderten mich, machten mich unruhig, angespannt. Gedanken a la „hilfe,gleich bin ich mit Menschen, die mich nun nicht so gut kennen, unterwegs, die nächsten 8 Stunden. Was, wenn ich in Tränen ausbreche?“

Nicht, dass ich das in der Öffentlichkeit allzu oft täte, aber das Monsterherz will nun Mal allzeit vorbereitet sein und liebt es deshalb sämtliche Befürchtungen im Kopf durchzuspielen. Zudem baute sich zusätzlich Druck auf, weil ich mir vor Kindern, dem Kollegen und dem Vater natürlich keine Blöße geben wollte, mich angemessen verhalten wollte.

Im Zug sitzend, kam dann schließlich bahnbrechende Übelkeit.
Ich spürte so deutlich, dass es falsch war hier zu sein und verstand auch, dass mein Monsterherz mir versuchte das mit aller Deutlichkeit zu sagen.

Tja. Ich nahm schließlich eine Reiseübelkeitstablette (ist das eigentlich so etwas wie mein Bedarfsmedikament?), weil ich doch kurz davor war mich in meine Yormas-Papiertüte zu übergeben.
Als die Übelkeit allmählich nachließ, entspannte ich mich. Letztlich habe ich alles überstanden. Und es war dann natürlich auch ganz okay bis heiter 😊

Erstmals mache ich mir nun keine Vorwürfe, verurteile mich nicht, sondern komme ein wenig dahinter, wer ich bin.

Ich mag keine lange vorher geplanten oder sehr ungewohnten Ausflüge mit Menschen, die mich nicht so gut kennen. Mein Körper sagt mir oft, was gut für mich ist und ich kann auf ihn, im Einklang mit meinem Verstand, hören. Auch wenn ich dann vielleicht nicht dem entspreche, was viele von einer jungen Frau, die ungebunden ist, erwarten mögen – ich fühle mich bei so etwas nicht wohl. Wenn sich nun ein solches Fußballspiel spontan aus dem Moment heraus ergibt, dann nur her damit. Aber mir muss danach sein. Ich kann meine Laune nicht immer den Gegebenheiten anpassen und ich möchte mich in meiner Freizeit nicht irgendwo durchschleifen müssen.

Und ich sollte lernen mich vor Anderen auch so behaupten zu dürfen, mit einem NEIN und dass mir heute nicht so danach ist. Auch wenn das die Wenigsten als einen Grund ansehen. Aber die sind ja auch nicht ich 😊 und ich bin mir ganz sicher, dass mir dennoch einige Freunde bleiben.

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13 Kommentare zu „Will I ever learn?“

  1. Oh liebe blaue Dame,
    da wäre meine Kopfmacke auch im Dreieck gesprungen Sehr gut, wie du es gemeisterst hast. Und wirkliche Freunde, verstehen ein Nein, weil es nicht leichtfertig ausgesprochen wird.

    Herzlichst Alice

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  2. Oje, das war ja ein Tripp! Na gut, ich werde jetzt ein bisschen gegen den Strom schwimmen, sorry, aber ich finde, das Ding hat zwei Seiten. Was nicht bedeuten soll, dass Selbstvorwürfe hier angebracht wären! Ich hoffe das ist klar. Aber die Sache mit der Achtsamkeit ist ein bisschen wie ein zweischneidiges Schwert. Ja, sie ist mega-wichtig, weil wir nur so mitbekommen, wie wir auf etwas reagieren und uns so selbst besser kennen lernen. ABER, wenn wir an dem Punkt stehenbleiben, dann kann Achtsamkeit nur eines leisten: Eingrenzung – was wiederum ein Grundproblem der Depression ist. Denn, die Achtsamkeit nimmt das Herzrasen wahr, den Schwindel, die Übelkeit und dass es uns in der Situation nicht gut geht. Aber sie hinterfragt nicht, warum, das so ist. Wenn ich jetzt also sage, ich meide künftig Situationen, in denen es mir so geht, bedeutet das, der Anteil in mir, der sich der Depression verschrieben hat, gewinnt. Weil ich mich ja wieder eingrenze und damit ein Stück weit vom Leben abschneide. Es ist wichtig zu hinterfragen, warum reagiere ich eigentlich so auf eine derart harmlose Situation? Und Du hast die Antwort vielleicht schon in Deinem Text. Weil sich Dinge Deiner Kontrolle entziehen und Du Gefahr laufen könntest, Dich bloßzustellen. Das liegt nicht an der Situation, in der du bist, sondern an Deiner internen Reaktion darauf – diese ist der Grund für die körperlichen Symptome. Du schreibst, dass Dein Monsterherz sich gerne alle Eventualitäten im Vorfeld ausmalt. Das ist die Ursache für Deine Symptome und wenn die Achtsamkeit da angebracht ist, kann sie nützen. Viele Depressive bleiben aber beim Erkennen von ‚geht-mir-nicht-gut-Situationen‘ stehen und meiden diese. Darum liegen Depression und Angst so nah beieinander, denn eine Angststörung tut genau das: potenzielle Angst auslösende Situationen meiden. Das ist eine Verdrängungsstrategie, aber keine Heilung.
    Was nicht heißen soll, dass Du Deinen Erfolg nicht feiern sollst! Ich wünsche Dir aber, dass Du nicht in die Falle tappst 😉

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    1. Dann darf ich ausnahmsweise sogar auch Mal widersprechen und einwerfen, dass dein Einwand, den ich absolut richtig finde, in meinem Beitrag bereits untergekommen ist.
      Ich weiß sehr gut um das Problem der Vermeidung und ich stelle mir ab und an Aufgaben, um nicht dauerhaft in meiner Komfortzone festzustecken. Und auch im Beitrag schrieb ich, dass ich auf meinen Körper und meine Psyche unter Einbezug meines Verstandes hören sollte. Das bedeutet für mich zu reflektieren weshalb, warum und wozu.
      Im gestrigen Fall war mir das mitunter einfach viel zu viel. Nach einer arbeitsreichen Woche war mir nach Ruhe und Rückzug – natürlich gepaart mit der Angst, dass mir mein Verhalten vor Anderen entgleisen könnte.
      Es gibt Situationen in denen es mir mulmig ist und ich im Nachhinein doch froh bin mich dazu durchgerungen zu haben – bei gestriger Aktion ist das nicht so. Es ist okay, dass ich es gemacht habe, aber es wäre auch gut gewesen mir Erholung zu gönnen.

      Ein großer Fan der Spontanität war ich schon immer, weil ich bei lang geplanten Ereignissen an dem Tag selbst dann oft gar keine Lust mehr darauf habe.
      Ich bin dir dankbar für deine Einwürfe und sie sind sehr wichtig, ich sehe das ganz genauso, wie du.

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      1. Sorry, das scheint mir entgangen zu sein. Die Sache mit der Wahrnehmung. Ich kenne leider sehr sehr viele Menschen, denen diese Zusammenhänge nicht klar sind und die immer wieder in die Tappe fallen. Deshalb hab ich das scheinbar übersehen. Wie schön, dass Du so in Kommunikation gehst! Das ist selten und ich finde, die Welt braucht noch viel mehr davon :-*

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        1. Macht nix, ich hab mich ja fast ein wenig gefreut, dass ich deine Meinung sozusagen schon im voraus geteilt habe 😉
          Man lernt eben dazu. Ich habe mich schon einmal sehr weit in dieser Spirale fallen lassen, bis mir nahezu jeder feste Termin unangenehm war und habe dann ganz bewusst angefangen mich Situationen zu stellen. Seither bin ich recht wachsam, was das angeht, weil ich es nicht mehr so weit kommen lassen möchte. Ich glaube da will ich noch besser lernen herauszufinden was Herausforderung ist und was Überforderung. An einem anderen Tag hätte der Ausflug denke ich besser gepasst, ich war total unfit und hatte überhaupt keine Lust. Und der Kollege, mit dem ich unterwegs war, ist einer, der ununterbrochen unterwegs ist. Für den liegt die Herausforderung eher im Stillstand. In seiner Nähe fällt mir das Abgrenzen oft sehr schwer, weil ich das Gefühl habe mich viel erklären und erläutern zu müssen, weshalb ich nun nicht so bin, wie er. Ein klassischer Fall von „in deinem Alter habe ich ja noch dieses und jenes gemacht“
          Da kam schon einiges zusammen!

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        2. *lach* ein sog. Arschengel, den Du da im Freundeskreis hast. Da kann man super Spiegel-Arbeit mit machen. Ich find’s super, wenn Menschen sich stellen. Wenn wir das nicht tun würden, immer in unserer Komfortzone bleiben würden, dann würde sich nichts bewegen. Stillstandt ist tot, davon bin ich überzeugt. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht auch mal Pause machen darf. Und dann auch die Sache mit vorgefertigten Lebensentwürfen. Hätte ich den meiner Familie übernommen, müsste ich jetzt mit Kater im Bett liegen (und ich meine nicht meine zwei schnurrenden Samtpfoten) und noch stolz darauf sein. Aber manchmal wiederum…. Es ist eben ein schmaler Grat, ich glaube, da sind wir uns einig 😉

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  3. Vieles, was ich dazu schreiben wollte, hat Laoghaire bereits auf den Punkt gebracht. Deswegen unterschreibe ich ganz frech bei ihr mit. 🙂
    Das ist eine schwierige Situation, alleine schon wegen der körperlichen Symptome, die alles spürbarer machen und deutlich in der Handlungsfähigkeit einschränken. Gerade wenn man währenddessen auch noch Verantwortung für andere Menschen übernehmen muss. (Bin mir nicht ganz sicher, ob das bei Dir so war. Warst Du nur freundschaftliche Begleitung oder hast Du mehr übernommen?) Ich neige dazu, es dann irgendwie durchzuziehen. Eigentlich soll man das ja auch so machen, wenn irgend möglich. (siehe Laoghaire) Man kann die negativen Erfahrungen und Ängste dadurch aber auch verstärken. Zweischneidig halt. Ob die Reisetablette dabei als Bedarfsmedikation durchgeht: keine Ahnung, wenn sie wirkt, ist das akut jedenfalls hilfreich. Eine Lösung auf Dauer? Ich würde es bei Arzt/Therapie ansprechen und im Blick halten, wie oft ich so ein Ding nehme.
    Zu guter Letzt: Meinen Glückwunsch, dass Du es durchgestanden und im Ganzen obendrein als heiter-positiv wahrgenommen hast. Das ist das wichtigste, finde ich. Du schlägst Dich gut, Bezwingerin der Monsterbestie. 🙂

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    1. Ich nehme das nicht sehr oft, vor zwei Monaten glaube ich zuletzt. Manchmal an ein paar Tagen hintereinander und dann lange nicht mehr. In erster Linie bei Übelkeit und Verpflichtung.
      Ich stelle mich oft Situationen und wühle mich aus den Ängsten hinaus, weil ich das schon Mal eine Weile ziemlich habe schleifen lassen und dann wurde es immer mehr Angst vor unbekannten Situationen.
      In letzter Zeit war dieses Unwohlsein kaum mehr vorhanden und ich hatte auch nicht wirklich damit gerechnet, nicht in der Intensität.
      Ich weiß nicht, ob man sich immer allem stellen muss, oder ob es vielleicht auch einfach okay ist, wenn ich nicht der Typ für Aktionen bin, die von langer Hand geplant sind.

      Ich war erst auf zwei Konzerten, für die man die Karten natürlich auch weit im voraus kaufen musste. Da war ich dann doch wieder froh mich überein zu haben.
      Das muss ich noch herausfinden, in welchem Maße mir das gut tut.

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      1. Steckst ja bereits mittendrin, im Herausfinden. Das klappt schon, ich drück Dir weiter die Daumen! 🙂
        Ich lerne bei Dir mit, von dem was Du hier schreibst. Ich stelle mich derzeit vielem nicht. Was davon okay ist und wo ich mich wieder heranwagen werde… tja, ist noch ein ganzes Stück Weg zu gehen und auszuprobieren. Manchmal zu Angstbehaftet, manchmal zu ungestüm. Oft irgendwo dazwischen. Das Leben geht weiter. *g*

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        1. Recht hast du. Ach, wie sehr viele Menschen das gar nicht verstehen. Weil man muss doch einfach nur leben 😉😉 ganz einfach. Oder noch besser: Sei doch einfach Mal glücklich. Du weißt was ich meine, oder?

          Manchmal ist es anstrengend und dann auf anderer Seite umso schöner. So nehme ich mir heute ganz bewusst einen Zuhause-Tag, weil ich das will. Wer weiß ob ich das noch so schön fände, ohne die Anstrengung von gestern.

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        2. Ich weiß was Du meinst, habe aber das Glück, dass mich in meinem Umfeld niemand mit solchen Hirnrissigkeiten belangt. 🙂
          Die gestrige Anstrengung macht Deinen Tag heute sicherlich schöner. Ich hoffe, Du selbst gestaltest ihn Dir auch ganz wundervoll nach Deinem Geschmack 🙂

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  4. Also nur mein erster Gedanke. Ich finde ein „mir ist heute nicht danach“ einen sehr guten Grund. Man macht eh schon so viele Sachen , nach denen einem nicht ist.
    Also.. wieso sollte man in seiner Freizeit Sachen machen, nach denen einem nicht ist? Muss man ja gar nicht. Und wenn ich verabredet bin ins Kino und mir dann doch nicht danach ist, dann rufe ich an und sage das und frage, ob das ok wäre das zu verschieben oder was anderes zu machen. So ist meine Theorie, die Praxis ist ein ÜbungsFeld 😉

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