Dagegenhalten II

Oh Mann. Oh Frau.
Ich hatte es schon lange nicht mehr mit jener Spezie Mensch zu tun, die mir gerade Montag bis Freitag auf den Füßen herumtritt.

Da ist diese Kollegin, von der ich schon einmal schrieb, 60 Jahre alt und kurz vor der Rente. Die mich nicht mag – das hat sie mittlerweile auch schon ausgesprochen. Nicht mir gegenüber, nein, nein, zu einer anderen Kollegin natürlich.

Muss man mich mögen? Nein! Sie ist nicht die erste Person auf dieser Welt, die mich nicht mag. Manchmal mag man sich halt nicht so. Professionelles Verhalten sollte trotzdem drin sein. Dem ist aber nicht so.

Immer häufiger komme ich in die Arbeit und es schmettern mir Vorwürfe und Unterstellungen entgegen, die sich innerhalb Sekunden aufklären lassen. Der werten Dame, die jedes Mal als Ursprung dieser Aussagen ausfindig gemacht werden kann, fällt dann immer doch plötzlich ein, dass das ja gar nicht so war.
Werde ich gelobt, steht sie daneben, rollt wie eines unserer Kinder mit den Augen. Komme ich mit Kollegen besonders gut aus, sucht sie das Zweiergespräch und kommuniziert, dass sie sich ausgeschlossen fühlt, ich würde ihr XY wegnehmen.
Oder aber ich kommuniziere ihr, dass ich am kommenden Tag etwas später kommen würde und wenn man sie danach fragt, wo ich bin, sagt sie: „Ich weiß auch nicht, sie hätte ja schon längst anfangen müssen.“

Besonders gerne wird behauptet, dass ich irgendetwas im Alleingang entschieden hätte – leider stellt sich nach kurzer Nachfrage immer heraus, dass das nie der Fall war oder ist.

Letzte Woche war ich mit dem Freund im Supermarkt, dort hatte ich ein Elektrogerät dabei, das ich dort einige Stunden vorher erstanden hatte. Folgende Szene spielte sich ab:

Ich war in der Elektroabteilung und zeigte dem Mitarbeiter dort das Gerät, zu dem ich noch ein Kabel brauchte. Anschließend verstaute ich das Gerät in meiner Tasche und ging mit dem Kabel zur Kasse.

„Zeigen Sie mir bitte den Tascheninhalt.“
– ich hatte den Freund schon vorgewarnt, dass diese Kassiererin manchmal sehr penibel sei.
„Um Himmels Willen, Sie haben ja ein Gerät von uns da drin.“
– ich zeige ihr den Kassenzettel und weise sie darauf hin, dass ich das Gerät erst vor wenigen Stunden gekauft hatte.
„Na, na, das geht so überhaupt nicht, auf keinen Fall. Sie müssen das Produkt das nächste Mal in ein Schließfach sperren. So etwas können Sie nicht machen.“
– ich erkläre ihr, dass ich das Gerät zum Vorzeigen benötigte, um kein falsches Kabel zu kaufen.
Sie schüttelt heftig den Kopf, hält sich die Stirn und sagt mit theatralischer Stimme:
“ Sie müssen sich das nächste Mal einen Passierschein an der Infotheke geben lassen. So geht das jedenfalls nicht. Ich kann ja nicht jeden Kassenzettel durchsehen.“

Es war ausladend viel Trara um nichts. Hat sich fünf Minuten gezogen, diese Predigt. Und ich stand lächelnd und nickend da, während der Freund schon fast rot anlief vor Genervtheit.

Ähnlich wie diese Kassiererin reagierte, benimmt sich meine Kollegin mehrmals täglich.
Ihr Problem ist nicht mein Problem. Eigentlich. Ab und zu belastet mich das schon. Weil ich es überflüssig, kindisch und unreif finde und es anstrengend ist, wenn jemand dauernd gegen mich arbeitet.
Das ganze restliche Team mag mich sehr und ich komme mit allen aus – das ist gut. Andernfalls wäre ich mittlerweile bereits explodiert und auf das Niveau der Madame eingegangen.

Aber das möchte ich eigentlich nicht, ich will mich weiter professionell und freundlich verhalten, möge sie noch so sehr nach Fehlern an mir suchen.

Manch Einer fragt sich vielleicht, warum ich sie nicht einfach konfrontiere…weil ich glaube, dass ihr das sehr in die Karten spielen würde. Sie betreibt das nämlich durchaus sehr geschickt, alles stellt sich im Nachhinein als Missverständnis heraus. Dann könnte sie mich so darstellen, wie sie es ja eigentlich will, würde ich darauf eingehen.

Ach ja, seit zwei Wochen lässt sie meine und ausschließlich meine Kaffeetasse konsequent in der Küche stehen.
Möglicherweise hat sie noch nicht verstanden, dass wir die Erwachsenen in der Einrichtung sind 😉

Tut mir leid, dass WordPress für mich heute zum Auskotz-Ort wird. Mir fiele mit meinen 34 Jahren weniger im Traum nicht ein mich so zu benehmen. Aber das Benehmen ist wohl nicht immer eine Frage des Alters.

11 Gedanken zu “Dagegenhalten II

  1. MAnnnnn, es regt mich echt auf, wie beschränkt, dumm und unreif manche der ach so Normalen sind. Die braucht definitiv eine Therapie oder etwas, was sie ablenkt. Die ist so unzufrieden mit sich und der Welt, dass sie dir das Leben schwer machen will. Mir fällt auch nicht ein, was man da machen kann. Schweigen regt ja am Meisten auf und bringt dich nicht in eine mögliche Falle. Sogar bewusst freundlich und nett sein ärgert auch. Oder wenn du rufst, oh du hast meine Tasse vergessen, kein Problem. Naja. Nervenaufreibend. Wenn es dich belastet und du leidest würde ich die Leitung mal um ein moderiertes Gespräch bitten. Echt mal kurz vor der Rente und wie ein KLeinkind sein…. tzzz

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  2. Wie anstrengend!!! Das wäre aber in der Tat etwas, das man mit der Leitung in einem moderierten Gespräch versuchen könnte zu klären. Andererseits – 120 Tage sind wirklich nicht mehr viel… Vielleicht hat sie ja auch noch etwas Urlaub? 😉

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  3. Die schönste Form, einen Feind bewegungslos zu machen: ihn umarmen.
    Ich glaube auch nicht, dass die Konfrontation der richtige Weg wäre. Lieb und nett ist der bessere. Zumal du dich damit in eine moralisch gute Position begibst und sie sich auf eigene Weise ins Aus spielt.

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    • Ja das versuche ich – ich habe ihr Komplimente gemacht, ihre Arbeit gelobt, begrüße sie morgens mit einem Lächeln, höre ganz oft weg…
      Und mir gefällt diese Haltung auch.
      Nur gerade im Moment bin ich auf 180, weil jeden Tag ein neuer Quatsch kommt, der unnötig Energie und Kraft kostet und ich nie weiß, was heute schon wieder ist.
      Eiiiinatmen – auuuusatmen 😊

      Gefällt 2 Personen

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