Wofür es sich lohnt –

diese Sache mit dem Durchhalten?

An vielen Tagen in den letzten zehn Jahren habe ich mich gefühlt wie ausgespuckt, zu sensibel, zu zart besaitet und irgendwie nicht fähig zu leben. Glücklich zu sein. Habe stundenlang auf meiner Couch gelegen, schluchzend und ohne Aussicht auf Besserung, ohne Hoffnung – dafür mit Tonnen an Schwere. Ja, ich habe wahnsinnig viel gelernt, durch diese Krisen, aber nein, ich würde nicht nochmal alles genauso machen.

Wie ein undankbarer Fetzen Dreck nahm ich mich wahr, wo Andere doch um ihr Leben kämpften, so unbedingt weiteratmen wollten und ich mich nur darin übte das alles noch irgendwie auszuhalten. Auch heute fällt es mir immer wieder schwer nicht auf die Vergleich-Maschinerie einzusteigen, nein, Krebs und Depression lassen sich einfach nicht aufwiegeln.

Ja, ich habe darüber nachgedacht wie lange ich das noch aushalten werde und wie ich meinem Dasein ein Ende setzen könnte, ob es da irgendeinen eleganten Weg gäbe… in allen Liedern die ich hörte nach irgendeiner Stimme, einer Zeile gesucht, in der ich Verständnis finden könnte. Ich verfluchte die Menschheit und fand, dass ich da einfach nicht reinpasse. Wollte wieder ein Kind sein, alle Verantwortung abgeben. Habe gekämpft, so sehr gekämpft und unbändig ausgehalten. Wenn ich darüber schreibe, steigt eine Ahnung in mir hoch, die davon erzählen kann, wie es sich anfühlte.

Krank. Gelähmt. Unfähig. Am Ende. Schwer. Nicht auszuhalten. Ich HALTE mich nicht mehr aus. Ich kann nicht mehr ich sein. Keine Kraft mehr.

Aber jetzt bin ich ja schließlich immer noch hier, ich denke ich kann sagen, dass es wirklich weh tat und käme es in jener Heftigkeit wieder, täte es wieder weh. So viel Schmerz – auch wenn ihn keiner sehen kann, niemand sehen konnte. Einige Menschen haben schon versucht zu beschreiben wie es sich anfühlt und doch kann ich keinen wirklich treffenden Vergleich finden für diesen allzu schwarzen Schatten.

Wie viele Jahre habe ich mich nicht getraut diese Worte zu äußern, sie gar aufzuschreiben. Zu viel Angst, dass da einer mit einer „echten“ Krankheit kommt, der mich verspottet, der mir sagt, dass ich ja doch überhaupt keine Ahnung hätte. Undankbar sei. Und ich mich dann wieder schäme. Aber tatsächlich haben alle Anderen meist mehr Verständnis dafür, als ich es selbst habe.


Das alles habe ich ausgehalten und ich hoffe ich werde es erneut tun, sollte da nochmal etwas kommen. So viele von euch haben ähnliches ausgehalten oder halten ganz andere Krankheiten aus.

Heute bin ich froh, dass ich noch lebe, dass mir beileibe kein adäquater Weg einfiel, mit dem ich mein Leben hätte beenden können. Bin dankbar um die Hilfe. Und meinen starken Willen, der mir da heraus geholfen hat. Es gab beschissene Zeiten und die sind noch nicht einmal ganz vorbei, tauchen in Minidosen immer wieder auf, damit ich daraus lernen kann. Klar, die berühmte Frage nach dem „Warum ich“, so oft habe ich mich das gefragt – aber darauf gibt es keine Antwort, es passiert. Es ist nicht schön, es tut weh, nur für immer so bleiben muss und wird es nicht.

Damals hätte ich alles gegeben für einen Menschen der mir sagt, dass es sich gerade zwar anfühlt, als ginge dieser erbärmliche Zustand niemals vorbei, aber es kann wieder anders werden. Guck mich an, ich war mal dort und nun bin ich hier. Keine Ahnung ob ich ewig so stabil bleibe, aber jetzt bin ich es – ich bin glücklich, ich kann lachen und es geht mir ganz oft gut.

Vielleicht kann ich für irgendjemand dieser Mensch sein, der dir sagt, dass es sich lohnt, dass es immer wieder anders werden kann.

 

7 Gedanken zu “Wofür es sich lohnt –

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s