It’s like 10.000 spoons when all you need is a knife

Mein Monsterherz….und wie es trotz Monster weiterschlägt. Liebes Ich, das hast du ganz schön treffend gewählt. Ziemlich selten streife ich diesen Untertitel meines Blogs, weil ich in dem Format ganz einfach nie drauf gucke, passt aber doch so gewaltig gut.

Gewaltig, weil mir manche vergangenen Tage, Monate, ganze Lebensabschnitte vorkommen wie eine gefährlich hohe Welle, die droht und drohte alles unter sich wegzuspülen. Wenn ich an die Kämpfe denke, die ich weinend auf meinem kleinen Sofa ausgefochten habe, ganz leise der Fernseher zu hören, damit ich dem Klang meines blechernem Wimmern nicht ganz so sehr ausgesetzt bin. Der Schlaf kam nie einfach so, ich brauchte unzählige eingeübte Routinen, Lavendelölkapseln, Anstrengungen und Mühen. Und ich hatte so viel Angst. Das Monsterherz war so übermächtig, ich so sehr verzweifelt, ein mittelgroßes Elend zusammengekauert auf der eigentlich schönen grauen Couch, die weiche Decke bis zum Kinn gezogen. Die Hoffnungslosigkeit nicht mehr aushaltend, Schmerzen in der Brust. Es fällt mir nicht leicht darüber zu schreiben, denn es wirbelt jenen Staub auf, der sich so langsam gelegt hat, bringt die immerwährende Angst vor der Rückkehr dieses Zustands an die Oberfläche.

Mein Herz hat weitergeschlagen.

Ich habe weitergelebt, obwohl es quälend, schmerzhaft, grau und gefühlt aussichtslos war. Mein Herz hat mich am Leben gehalten, meine Atmung hat nicht ausgesetzt und ich war in meiner unendlichen Schwäche stark genug um jenen Zustand auszuhalten. Trotz dessen, dass ich heute weiß, dass es irgendwann wieder heller wird, will ich dieses Dasein, das sich am absoluten Rande der Existenz bewegt hat, nie wieder aushalten müssen. Ich will nie wieder solche Schmerzen in mir tragen müssen. Dafür tue ich viel und doch gibt es absolut keine Garantie, so oft noch spüre ich das Monsterherz wieder wachsen. Kann fühlen wie nah das Grau ist. Trage meine alten Ängste mit mir herum und auch wenn ich es mittlerweile viel besser weiß, verbinde ich meine Depression mit dem völligen Versagen und dem gesellschaftlichen Aus.

Ich sagte ja, dass ich mit alten Ängsten kämpfe, so sitze ich hier nach drei Wochen Urlaub und habe Angst davor, dass ich meine Arbeit morgen nicht mehr hinbekommen könnte – weil ich vielleicht nicht schlafen kann oder depressiv bin. Was, wenn mich das wieder einholt? Hunderte Male habe ich mir selbst schon das Gegenteil bewiesen, aber es scheint als bräuchte ich noch ein wenig. Ein wenig mehr Zeit.

Seit zehn Jahren kämpfe ich in regelmäßigen Abständen. Ich kämpfe um mein Leben und dafür, dass es sich gut anfühlt und ich habe nicht vor damit aufzuhören. Meistens weisen meine Kämpfe einen erfolgreichen Ausgang auf und ich glaube noch nie war irgendetwas davon umsonst. In kleinen Schritten lerne ich mich selbst zu umarmen, mir zu sagen, dass ich okay bin, das ist sehr wichtig, schließlich verlange ich mir auch ziemlich viel ab.

Liebe Mitleser und all die wundervollen Blogs, es tut mir leid, sollte ich euch mit diesen immer wiederkehrenden Beiträgen über das Gefühl, das die Depression in mir ausgelöst hat, langweilen. Aber das wird nicht der letzte sein. So sehr es schmerzt das hier so offen und ehrlich zu schreiben, so sehr hilft es mir auch mehr Verständnis für mich selbst zu entwickeln. Zu verstehen weshalb ich so verletzt bin, weshalb diese Befürchtungen vor einer erneuten Episode nicht abbrechen, ich schätze ich brauche das.

Und ich gestehe ganz ehrlich, eure Kommentare, die brauche ich auch!

 

 

[Ich habe übrigens ein absolutes Händchen beim Auswählen meiner Bilder und Überschriften. Aber das Bild hat eben irgendwie gepasst, weil das Leben immer wieder Feuerwerke zu bieten hat, trotz aller Monsterherzen – außerdem finde ich „strampeln statt trumpeln“ ziemlich gut und die Zeile aus dem Song spukte mir im Kopf herum. ]

12 Gedanken zu “It’s like 10.000 spoons when all you need is a knife

  1. Ich kann dich gut verstehen und wenn dir das schreiben hilft, dann höre auf keinen Fall auf damit!

    Du bist der erste Mensch, der die Angst nach dem Urlaub so gut in Worte fasst. Ich konnte das noch nie jemandem begreiflich machen, dass es nicht einfach ein Gefühl von „keine Lust“ oder „Urlaub war zu kurz“ ist, sondern richtige Angst. Danke dafür 🙂
    Und toll, dass du nicht aufgibst – immer wieder!

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    • Es ist als hätte ich alle Selbsterkenntnis und jedes Selbstbewusstsein wieder verloren und fange jetzt wieder viiiiel weiter unten an. Unangenehm, sehr, sehr, sehr. Mit Unlust hat das echt nix zu tun. Ich bin froh, dass mich jemand versteht, dass du mich verstehst 😊

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      • Ja 😊 Ich verstehe auch die Angst davor zurückzufallen. Ich hatte letztens meine letzte Therapiesitzung und mir macht das riesige Angst. Obwohl es ja eigentlich ein gutes Zeichen ist. Aber so funktioniert es eben leider nicht.

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  2. Die Angst vor der Angst…. Ich kenne ein wundervolles Gedicht, das mir dazu sofort einfällt:

    HANS MAGNUS ENZENSBERGER – NICHT ZUTREFFENDES STREICHEN

    Was deine Stimme so flach macht
    so dünn und so blechern
    das ist die Angst
    etwas Falsches zu sagen

    oder immer dasselbe
    oder das zu sagen was alle sagen
    oder etwas Unwichtiges
    oder Wehrloses
    oder etwas das mißverstanden werden könnte
    oder den falschen Leuten gefiele
    oder etwas Dummes
    oder etwas schon Dagewesenes
    etwas Altes

    Hast du es denn nicht satt
    aus lauter Angst
    aus lauter Angst vor der Angst
    etwas Falsches zu sagen

    immer das Falsche zu sagen?

    ….

    Ich finde, es fasst sehr schön den Teufelskreis zusammen, in den wir uns begeben, wenn die Angst uns im Griff hat – und der uns direkt wieder zu dem führt, wovor man Angst hat. Und? Wie war Dein erster Arbeitstag?

    Gefällt 1 Person

  3. Ach meine Blaue Elefantin,
    nervös und unsicher zu sein, wenn die Arbeit wieder losgeht, ist mit Kopfmacke leider normal. Das geht wohl nicht weg, doch das Tolle ist, meist ist der erste Arbeitstag harmloser. denn so fies, wie unsere PSyche es ausmalt, kann der gar nicht werden. Und nur weil vielleicht das Getriebe noch nciht so gut geölt ist nach dem Urlaub, kann man doch recht leicht Öl an die Rädchen kippen.
    Ich kenne diese Angst, habe sie oft nach jedem Wochenende. DU kannst was du kannst und was du gelernt hast. Ich habe meine Masterurkunde aufgehängt und das erinnert mich daran. Egal wie klein und mickrig dich die Ängst fühlen lassen, die Angst und das Monsterherz können dir deine Fähigkeiten nicht rauben. Sie können sie verstecken, doch tief in dir drin sind sie. Die Zweifel sind aber ein super versteckt. „Du schaffst das“ ist ein blöder Satz. Darum „Du hast all Kompetenzen, um deiner Arbeit gerecht zu werden. Sonst hättest du sie nicht.“
    Hertlichst Alice

    Gefällt 1 Person

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