Lalaleier.

Jaja, so langsam fällt meine Stimmung unter die Kategorie „Alte Leier“, einen so anhaltenden Gefühls- und Stabilitätseinbruch hatte ich schon lange nicht mehr. Und das liegt hauptsächlich an mir selbst – genau, nicht an den Umständen, an mir.

Die letzten Wochen waren ganz schön hart und anstatt gut zu mir zu sein behandle ich mich, ratet mal wie – noch härter. Scheine so enttäuscht von mir zu sein, dass ich mich gerade nur so durch das Leben hangeln kann, statt es zu genießen. Leg mir selbst zwei Tonnen Steine in den Weg. Applaus.

Womit ich gerade so hadere?

  • Dauerunterbesetzung in der Arbeit- Kraft ist am Limit – Verantwortung für einen Haufen Erstklässler, der ja irgendwie gut in die Einrichtung integriert werden will und den Eltern gegenüber den Schein aufrecht erhalten, dass alles okay ist. Dazu zwei sich bekriegende Chefs, die versuchen mich auf die jeweilige Seite zu ziehen.
  • Meine Mama hat ja nun seit geraumer Zeit, seit 8 Jahren Krebs und im Moment miserable Werte die auf einen neuen Tumor hindeuten – nur gefunden werden konnte er bis dato noch nicht. Wir haben seit 9 Monaten ein endlich wieder enges Verhältnis und ich kann die Verlustangst, die ich so gut weggeschnürt habe, nicht mehr immer in Schach halten.
  • Großer Familienstreit innerhalb der mütterlichen Verwandschaft, der mir so einiges über mich klar gemacht und eine zugedeckte Wunde aufgerissen hat.
  • Ich versuche in Minischritten mein Antidepressivum zu reduzieren

Und wisst ihr was…ich bin fast enttäuscht, dass ich nur auf drei- vier Punkte gekommen bin, denn das alleine sind doch keine Gründe für mein so sehr Unwohlsein!? Manchmal kann ich den Kopf nur über mich selbst schütteln und befinden, dass ich einen totalen Schaden in dieser Hinsicht habe. Welche Gründe brauche ich denn noch? Wenn meine Mutter stirbt, erlaube ich mir dann vielleicht, dass es mir schlecht gehen darf? Jedem Anderen würde ich ein Glas kaltes Wasser in das Gesicht schütten, die Person schütteln, jeder einzelnen Person die sich selbst so bescheuert behandelt.

Ich verstehe weshalb ich so bin, wie ich so wurde, seit dem Zerwürfnis mit meiner Oma kann ich das alles so deutlich sehen.

Das Beste ist nämlich gerade gut genug und es gibt immer irgendetwas das schlimmer ist, als das eigene Befinden, als das Erlebte. Und das habe noch nicht einmal ich infiltriert bekommen, nein, meine Mutter bekam es, ich sah sie dann weinend vom Familienbetrieb nach Hause kommen. Ich hatte immer das Gefühl ich müsste sie beschützen vor der Kälte ihrer eigenen Mutter – ich habe es nie geschafft. Meine Mutter hat es nie geschafft ihre Mutter zu erreichen, die Liebe von ihr zu bekommen, die sie sich so sehr gewünscht hat. Meine Mama war nie gut genug. Ich bin nicht gut genug. Und wenn ich noch so ein Sonnenschein bin, ein Spitzenzeugnis abliefere, eine gefragte Erzieherin bin, durch’s Leben renne. Niemand kann in diesen Augen gut genug sein, niemals. 

Und ich darf mir jetzt Zeit geben, ich darf sein wie ich bin. Es gibt Dinge im Leben die eines länger anhaltenden Verarbeitungsprozesses bedürfen, Phasen die auszuhalten sind, um danach ein Stück größer zu werden, als zuvor. Ich tue mir selbst einen unendlich großen Gefallen, wenn ich mich so annehme, gütig und weich zu mir bin und diese Härte ein wenig ablegen kann. Mir geht es gerade ziemlich beschissen, das Monsterherz ist riesengroß, das Schlafen ein allabendliches Wagnis und die Tage eher durchwachsen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr Atmen kann.

Aber ich tue es.

Atme aus und atme ein.

Und hoffe so sehr, dass ich es schaffe die Veränderung zu sein, die ich mir für mein Leben wünsche.

Liebes Ich, ich umarme dich.

 

18 Gedanken zu “Lalaleier.

  1. Ich finde, wenn ein Mensch ein Punkt auf zählen kann der belastend sich anfühlt, Angst auslöst, schwer aus zu halten ist…
    Dann ist es egal wie viel es sind, jeder löst etwas aus, neu alt irgendwo dazwischen, fest_verhangen_befangen und das ich selbst neu finden_beginnen, manchmal immer wieder neu…

    …etwas verwirrend meine Zeilen Worte die mit da in den Sinn kamen…
    …mit blauen🐘 Grüßen

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  2. Du bist mitten drin. Du bist schon viel weiter gekommen, als Du im Moment wahr nimmst. Früher oder später wirst Du es sehen. Nimm Deine ‚Ziele‘ als Leitstrahl und orientiere Dich daran. Auch, wenn Du alles ‚geschafft‘ hast, wird das Leben nicht aufhören, Dir Höhen und Tiefen zu bescheren. Du lernst gerade einfach nur, das mit halbwegs gesunden Strategien zu meistern. Ich weiß, Du fühlst Dich beschissen, aber Du machst alles ‚richtig‘ ❤

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  3. Du hast definitiv genug Gründe dafür, dass es Dir so schlecht geht! Alleine die Situation mit Deiner Mama ist schlimm genug und wirklich traurig. Ich habe meine Mama auch sehr früh verloren. Und die Zeit vor ihrem Tod, wo sie so schlimm krank war und wo wir das Unvermeidliche auf uns zurollen sahen, ohne zu wissen, wann und wie genau es passieren würde, war eigentlich noch schlimmer, als ihr Tod selber. Und Du hast auch noch den Stress auf der Arbeit, um den ich Dich wirklich nicht beneide. Ich kann mir kein Urteil erlauben, aber vielleicht ist es im Moment ein etwas unglücklicher Zeitpunkt, um Dein Antidepressivum zu reduzieren? Gönn Dir die Unterstützung des Medikamentes noch, es kommt da nicht auf ein paar Wochen oder Monate an. Und gönn Dir Auszeiten, sei gut zu Dir und erlaube Dir auch, nicht wie der Fels in der Brandung zu stehen und die Welt zu retten. Du darfst schwach sein und bist immer noch gut genug, denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Ich wünsche Dir und Deiner Mum alles Gute und drücke Euch die Daumen, dass der Tumor schnell gefunden und ausgemerzt wird. Liebe Grüße, Jenny

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  4. Ich habe gerade mehrfach den Kommentar begonnen und dann wieder gelöscht. Finde nicht die richtigen Worte. Nur ein Satz: Du bist mitnichten schuld an Deiner Krankheit und Du hast nicht deshalb versagt, weil es Dir wieder schlechter geht. Auch nur ein einziger Deiner Gründe reicht für einen neuen Krankheitsschub – obwohl „Gründe“ sowieso nicht quantifizierbar sind.
    Ich wünsche Dir von Herzen, dass sich der Himmel für Dich bald wieder etwas aufklart.

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  5. Ich möchte etwas schreiben und weiß doch nicht genau wie: vielleicht dass es keinen Schuldigen geben muss, wenn man sich einmal mies fühlt, man darf sich mies fühlen, denn das gehört zum Leben dazu. Niemand ist immer nur glücklich und wer nur so tut, dem bist du dann schon einige Schritte voraus. Deine Liste mit Gründen rechtfertigen sehr gut, warum es dir nicht gut geht. schon ein einzelner Punkt wirft manch einen aus der Bahn, da darfst du bei gleich vier schwerliegenden Punkten zugleich doch auch.
    Sei gut zu dir und gib dir Zeit ❤ fühl dich umarmt

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