Alter.

In meiner Erinnerung gab es kaum etwas angenehmeres, als nach einem langen Winterspaziergang, auf der Heimfahrt im Auto langsam in den Schlaf zu finden. Begleitet vom Radiorauschen und den leisen Stimmen der Erwachsenen. 

Am Wochenende war ich mit dem Freund und seiner Nichte unterwegs und beobachtete sie bei eben diesem Vorgang. Ihr Kopf fiel immer wieder leicht zur Seite, ich lieh ihr meinen Schal, damit sie sich nicht an’s kalte Autofenster anlehnen musste. Und ich war ein klein bisschen neidisch, neidisch auf das Gefühl. Und wehmütig, weil ich dieses so behütete Gefühl, das ich damals spürte, seit Jahren nicht mehr hatte und weil das ein Kindheits-Empfinden war – aber ich ja mittlerweile erwachsen bin. Während meine Kindheit ziemlich schön war, stand ich mit dem Erwachsen sein lange auf Kriegsfuß, musste ich doch viel zu schnell in diese Rolle hineinwachsen.

Andererseits kann ich manchmal gar nicht glauben, dass ich erst 26 Jahre alt bin, ich denke, weil ich schon so viel ausgehalten habe, an Stürmen die in mir waren, an Unwettern, die von außen kamen. Wenn ich also darüber nachdenke, dass 26 ein Alter ist, das man durchaus als jung bezeichnen kann, dann passe ich da für mich nicht richtig rein, obwohl ich in den letzten Jahren sogar leichter an Gepäck, als schwerer wurde. Überhaupt gibt es kaum etwas, das ich so häufig höre wie, „Du bist doch noch so jung, was soll dir denn fehlen.“/“Du bist noch so jung, was sollst du schon erlebt haben.“/ – ich möchte anmerken, dass ich diese Aussagen nicht provoziere, es spielt sich eher so ab…

„Na wie gehts?“

„Ganz okay.“

„Was? Dir muss es doch super gehen, du bist noch so jung.“

In erster Linie handelt es sich bei diesen Leuten übrigens um sehr viel ältere entfernte Verwandte, oder um Kollegen, mit denen ich zusammen arbeite, die mitunter nur 10 Jahre älter sind. Und da frage ich mich manchmal schon, wie ich als 26 – jährige wissen kann, dass das Alter in so vielen Fällen nichts über das aussagt, was man erlebt hat, während es diejenigen, die schon viele Jahre auf dem Buckel tragen, denken mit dem Jung-Sein pachtet man das Glück. Aber das nur am Rande, darüber rege ich mich nicht auf, ich finde es nur interessant zu beobachten.

Vielleicht sind es Krisen und Erfahrungen, die uns weit mehr reifen lassen, als es allein die Jahrzehnte tun. Und wie furchtbar wäre das Bild in dieser Welt, wenn jeder offensichtlich, das, was er/sie erlebte im Gesicht tragen würde, in Form von Falten, Verbrauchtheit, Altersflecken. Es reicht ja schon, dass man einfach nur eine Zahl in seinem Ausweis trägt, anhand der man von anderen Menschen beurteilt wird 😉

Im Übrigen kommt morgen oder übermorgen ganz bestimmt ein ganz fürchterlich aufgeregter, überhaupt nicht reifer Beitrag von mir, in dem ich euch, wie ein aufgeregtes Eichhörnchen, an meinen Ängstlichkeiten bezüglich des am Donnerstag stattfindenden Fluges in den Urlaub, teilhaben lassen werde.

6 Kommentare zu „Alter.“

  1. Wenn man meint, den jungen Leute müsse es ja gut gehen, weil sie so jung sind, glaubt man vermutlich auch, es läge nicht in der eigenen Verantwortung, an seinem Fühlen etwas zu ändern, wenn es einem mit zunehmendem Alter schlechter geht.
    Ich habe dich übrigens für ein Stöckchen nominiert. Falls du Lust hast mitzumachen… 🙂

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  2. Ein sehr interessantes Thema… Alter, Alt werden, Lebenserfahrung, Krisen… gerade in einem Kulturkreis, in dem die Jugend, das Jungsein als der Zenit des Lebens verkauft wird, von dem an es nur noch bergab gehen kann. Alter ist in meinen Augen ein Konzept, das höchstens im biologischen Sinn für mich von Bedeutung ist. Ich habe mich durch die Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend immer älter empfunden als meine Freunde und Mitschüler. Irgendwann, je tiefer ich in die Depression geriet, habe ich mich trotz steigender „Jahreszahl“ immer auf eine Art jünger gefühlt. Es war nicht wirklich „jünger“, es war eher eine mangelnde Reife, die ich mir zuschrieb. Das sehe ich heutzutage auch nicht mehr als mangelnde Reife sondern als eine Lähmung, die mich daran hinderte, mich zu bewegen, weiterzubewegen und IRGENDetwas zu tun. Reife erlangt man für mich nicht durch das Alter, sondern wie du zu denken gibt, durch Erfahrungen, Krisen und den Umgang damit. Denn man kann auch Krisen durchleben und auf eine vollkommen unangemessene Weise damit umgehen, den völlig gleichen Handlungsmustern folgen und keinen Anlass zur Veränderung sehen. Dann ist man an Erfahrungen reicher, aber ist man dann auch reifer?
    Naja… was ich eigentlich mit diesem KOmmentar so genau sagen wollte und was die von mir angestrebte These ist? Keine Ahnung 😀 Ich habe hier einfach das aufgeschrieben, was du mit deinem Beitrag angeregt hast. OH je… recht viel für Dahergerede 😀
    Liebe Grüße und wir warten auf deinen Flug-Vorbereitungs-Post! 🙂

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  3. Wenn man täglich mit jungenm Menschen zu tun hat (im Übrigebn viel mit solchen, die noch ein Stückchen jünger sind als Du), dann weiß man, wenn man wache und empfindsame Sinne hat, dass Jugend und Glück keineswegs ein „gegebenes“ Paar sind. Ebsonso undifferenziert und häufig falsch ist es, wenn (von Älteren) behauptet wird, ein junger Mensch könne gar nicht über so viel Erfahrung, zumal Lebenserfahrung, verfügen, wie jemand der nicht 20 oder 25 , sondern 50 oder 60 Jahre alt ist. –

    Alles ist relativ und Schubladen werden viel zu schnell geöffnet und Menschen darin eingesperrt.

    Jeder Mensch ist einzigartig – egal ob jung oder alt.

    Viele, liebe Grüße und ich drücke Dir die Daumen, dass das mit der inneren Aufregung vorm Urlaub nicht gar so schlimm wird!

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