Nur weil man mit Kindern arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass man auch ein anständiges Sozialverhalten hat.

In Zeiten des Erziehermangels als Erzieherin zu arbeiten, verspricht zwar absolute Jobgarantie, erschöpft gleichzeitig aber auch sehr. Deshalb gelang es mir auch nicht mich in den vergangenen Tagen hier irgendwie zu Wort zu melden, weil die Arbeit mich so eingenommen hat. Dabei hätte es viel zu sagen gegeben.

Etwa wie traurig und sprachlos ich über die Verbitterung und die Gemeinheit mancher Menschen bin, viel zu sensibel für die Kaltherzigkeit in dieser Welt. Und dabei meine ich noch nicht einmal die katastrophalen Bilder, die die Tagesschau Montag bis Sonntag bietet, sind wir ehrlich, ein freundlicherer Ort wird diese Welt nun nicht gerade. Nein, ich spreche von den kleinen Dingen, die im zwischenmenschlichen Bereich geschehen und die in meinen Augen derart überflüssig sind.

In dieser Woche war ich mehr als einmal kurz davor, dass ich in Tränen ausbreche und ich konnte dennoch feststellen, dass ich sehr viel mehr in meiner eigenen Mitte stehe, als viel Andere aus meinem Umfeld. Insbesondere dem Arbeitsumfeld. Meine mir liebste und engste Kollegin wurde zur neuen Zielscheibe auserkoren und von der stutenbissigen Fraktion intensiv beobachtet. So sehr, dass sie die ganze Woche zu Hause blieb, weil es ihr derart beschissen geht und das, obwohl ich und zwei andere Kollegen geschlossen hinter ihr stehen. Gegen diese verhärtete Mauer der Feindseligkeit haben wir gefühlt keine Chance und ich allmählich keine Kraft mehr. ES IST SO ALBERN, DASS ICH LIEBER GAR NICHT DARÜBER SCHREIBEN WÜRDE – weil es so unnötig, überflüssig und bedauernswert ist, versteht ihr, es ist, als würde ich über das Verhalten von Kindern schreiben, die all das soziale Miteinander erst noch lernen müssen und dürfen…

Wisst ihr, wer Fehler sucht, der wird auch unentwegt solche finden, wo wir doch einfach „nur“ Menschen sind. Als meine Kollegin beinahe weinend vor mir saß, im Unverständnis darüber, was da gerade geschieht, erklärte ich ihr, dass jemand, der mit sich selbst einigermaßen zufrieden ist, vermutlich niemals über andere reden wird, in diesem Ausmaß. Einen anderen Menschen zu erniedrigen, das tue ich doch immer dann, wenn ich mich selbst minderwertig fühle, oder nicht? Wenn ich mir nicht genug bin und mich besser fühlen will, indem ich jemanden schlechte mache….Da empfinde ich Mitleid. Noch viel mehr aber tut mir meine Kollegin leid, die aushalten muss, dass über sie geredet und spekuliert wird, ob sie wohl ihre Arbeitszeiten immer einhält, ob sie nun faul ist oder ob sie sich immer angemessen verhält. Da empfinde ich Wut. Und frage, ob ihr bitte endlich aufhören könnt. Ich mag meine Arbeit, ich mache sie gern, ich mag meine Kollegin, die mich unglaublich unterstützt, ich mag die Kinder und die Eltern, ich mag die Örtlichkeit – aber ich kann das mit euch nicht mehr.

Es tut mir so leid für euch, dass ihr das braucht, aber ich bin nicht bereit das noch länger auszuhalten, ich bin mürbe, ich mag nicht mehr. Und ich versuche meine Kollegin vor euch zu schützen, so gut ich kann, mit dem Wissen, dass ich mich postwendend zur nächsten Zielscheibe mache. Es tut mir sehr leid, dass ihr diese Dynamik zu benötigen zu scheint und ich bedauere es auch sehr, dass unser Chef nicht fähig ist dem Ganzen Einhalt zu gebieten, denn ich glaube eigentlich schreit ihr danach, nach Grenzen. Und dabei spielt es keine Rolle, dass ihr mindestens 20 Jahre älter seid, als ich – aber wir sind eine Erziehungsanstalt für Kinder, nicht für Erwachsene. Ich möchte nicht wütend auf euch sein, denn diese Wut macht mit mir, dass ich mich über euch auskotzen will und das macht die ganze Situation auf keinen Fall besser. Einerseits möchte ich gehen, die Einrichtung wechseln, euch sagen, dass ihr es geschafft habt – andererseits will ich nicht aufgeben. Treibende Kraft ist ganz offensichtlich jene, die im Januar in Rente gehen wird, abzuwarten ist nur, ob sie bis dahin so viel Unfrieden sät, dass dieser langanhaltend sein wird.

Eine neue Kollegin, die ich gerne mag, sagte mir vorgestern, dass es nicht hilft, dass ich versuche den „Anderen“ immer wieder mit offenem Herzen zu begegnen versuche – sie scheinen eifersüchtig auf mich zu sein und wollen mich einfach nicht mögen. Und dann hilft es nicht. Aber das ist nicht ganz richtig so, denn schließlich ist es auch sehr wichtig wie ich dieser Welt begegne, was die „Welt“ dann daraus macht, da habe ich keinen Einfluss darauf. Aber ich will mich nicht verschließen, nur, weil es solche Menschen gibt.

Würde ich beten, dann käme an dieser Stelle jetzt, dass ich euch in meine Gebete einschließe – ich lasse mich von dieser Hetze nicht anstecken.

8 Kommentare zu „Nur weil man mit Kindern arbeitet, heißt das noch lange nicht, dass man auch ein anständiges Sozialverhalten hat.“

  1. Natürlich gilt das gefällt mir Sternchen hier nicht als like für das was da passiert….Übrigens bin ich auch gelernte Erzieherin und kenne das mit der „Stutenbissigkeit“ nur zu gut. Man sagt auch „nirgends geht es unsozialer zu, als in sozialen Einrichtungen…“ Erklärungen gibt es da mehr als genug (Du zeigst einige davon auf und derlei gibt es noch viel mehr) . Hilfreich wäre vielleicht das Wort: Mobbing in Umlauf zu bringen…sogar der doofste Chef weiß, dass damit viel Ärger für ihn aufkommt, wenn da was auf ihn zukommt. Habt Ihr dort keine Supervision? Wenn nicht, dann würd ich mal eine beantragen und auch gleich mal die Gründe dafür dem Chef nennen. Vielleicht hilft das.

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    1. Es gab schon einige Supervisionen seit ich da bin eine. War nicht sehr nachhaltig, eben auch, weil der Chef mit seinem Job überfordert ist, wenn auch ein toller Mensch. Auch das Wort Mobbing haben wir schon verwendet. Ich befürchte meine Kollegin wird gehen😟 und ich dann auch

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  2. Ach je, ich kenne das so gut. Bei uns im Team läuft das genauso.. es gibt eine Clique im Team, die sich immer ein Opfer auswählt und dieses dann fertig macht. Es wird nur auf Fehler gewartet und dann wird die Person zerrissen. Lange war ich das Opfer davon, mittlerweile ist es jemand anders. Die Kolleginnen sind über 40, man sollte also meinen sie wären aus dem Alter für Mobbing raus… leider bleiben manche Menschen aber ihr Leben lang so. Ich glaube auch, dass sie tatsächlich nicht merken was sie da tun. Das ist ein unbewusster Weg irgendwelche komplexe und Unzufriedenheiten zu kompensieren, den die Betroffenen schon so lange gehen, dass sie keine Alternative dazu erkennen und gehen können.
    Es tut mir sehr leid, dass es deiner netten Kollegin wird nicht die, ich weiß ja leider ganz genau wie sich das anfühlt. Meine Erfahrung ist, dass man da wirklich nichts gegen tun kann, da entsprechende Personen dermaßen unreflektiert sind das Gespräche nichts bringt 😦

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  3. Oh, das ist vor allem traurig. Aber es ist leider nicht selten. Menschen sind am meisten verantwortlich für das Leiden anderer Menschen – nicht zuletzt auf der Arbeit.

    Deine Haltung, die Du bezogen hast, die Du vertrittst, Deine Motive und Deine (möglichen) Schlüsse, beeindrucken mich sehr. Ich schreibe das nicht nur so dahin, ich meine das wirklich so. Es ist keine luxuriöse Haltung, aber eine sehr , sehr schöne , leider aber auch eine, die viel Kraft und Festigkeit bei gleichzeitigem menschlich Sein und Bleiben im ureigenen Sinne abverlangt. – Denn sie wird heutzutage wenig „honoriert“ , ja oft nicht einmal mehr verstanden.

    Ich wünsche Dir, dass Dein Sein nicht so endet wie meines zum Teil, denn ich habe es die letzten Jahre dann oft einfach nicht mehr geschafft. Seitdem bin ich vor immer mehr Menschen auf der Flucht. Innerlich zumindest. Das ist wie ein ständiges gejagt Sein.

    Deshalb bin ich auch persönlich dankbar, dass Du hier so ganz authentisch Deine Haltung gezeigt hast. Ich habe damit und darin einen Menschen gesehen, vor dem ich nicht davonlaufen muss.

    Dankeschön also, und Dir und Deiner Kollegin alle meine besten Wünsche!

    Liebe Grüße an Dich!

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    1. Ich schätze deine Kommentare, ich hoffe das weißt du 😊 und ich bin selbst immer wieder froh, wenn ich einen derartigen Menschen treffe, der ähnliche Intentionen hat – oder andere eben nicht hat…
      Es kostet mich viel Kraft diese Haltung zu wahren, aber ich will das sehr, denn das ist mein Halt in mir drin. Klingt komisch😁 kann ich aber nicht besser formulieren.

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  4. Danke für das liebe Kompliment!

    Das klingt gar nicht komisch, das klingt sehr schön. Wenn Du das so zu schreiben vermagst, dass das Dein Halt in Dir drin ist, dann lese ich daraus, dass das etwas ist, was Du an Dir magst. Dass Du Dich (zumindest insoweit) magst. Und so etwas zu lesen, ist sehr schön. Für mich. Weil ich weiß, wie schwer das oft ist, sich selbst zu mögen.

    Ich wünsche Dir ganz viele „Dich-selbst-mögen-Momente“!

    Noch einmal liebe Grüße für Dich!

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