Würde mir doch mal ein guter Titel einfallen.

Einer, der zu dem passt was ich schreiben möchte. Gelingt mir allerdings weniger, ist aber auch nicht sehr schlimm, ich arbeite schließlich nicht in einer Zeitungsredaktion, in der ich schnittige Titel brauche.

Es war nun ja ein wenig still um mich, weil Weihnachten, Urlaub und bewusster Auszeit hiervon. Ich war allerdings sehr fleißig und habe die Selbstreflexion keineswegs vernachlässigt – tatsächlich habe ich täglich meditiert, nun gut, außer am 1.1.2018, da war ich dann doch zu kaputt. Stellt euch vor, ich merke genau, wie ich nach und nach besser im Meditieren werde und gleichzeitig kapiere ich endlich, dass es falsch ist an eine Meditation irgendwelche Erwartung zu haben. Manchmal versetzt sie mich in eine wunderbare, tiefe Entspannung, häufig bin ich dabei aber auch unruhig, die Gedanken tanzen und ich werde höchstens ein bisschen ruhiger. Ich langweile euch jetzt nicht mit Einzelheiten über meine Meditationsfortschritte, sonst klinge ich tatsächlich noch wie eine Eso-Tante 😉 .

Die letzte Woche war hochemotional – ich war seit einigen Monaten erstmals wieder zu Hause bei meinen Eltern und das allererste Mal seit etwa 10 Jahren war es ein wundervolles Zusammentreffen am Orte meines Aufwachsens. Oh, kann sich einer vorstellen, was dort an Heilung passierte? Jeder war in seiner Rolle, in der ganz normalen Mutter-Vater-Kind-Rolle, ich war geliebt und beschützt und so aufgehoben, ich habe ganz schön viel geweint. Eine Art Trauer über das, was nie war, eine Art unendliche Dankbarkeit für das, was jetzt ist und eine so tiefe Liebe, das es eben auch weh tat. Ich sagte zu meinem Partner, als er nach ein paar Tagen zu meiner Familie hinzu kam, dass ich mich fühle wie eine laufende offene Wunde. So weich, verletzlich, so verwundbar, so gerührt und berührt. Eine gigantische Menge an Ballast habe ich aufarbeiten dürfen und bin längst noch dabei, nein, ich kann nicht in Worte fassen, was für ein Feuerwerk an Emotionen in mir explodiert ist. Aber ich schätze jedem da draußen würde es ähnlich gehen, habe ich doch so viele Jahre nach einem Zugang zu meiner Mutter gesucht und dann sitzt sie da, sieht mich an und sagt mir, dass sie mir so sehr wünscht, dass ich endlich erkenne, was für ein wundervoller und vollkommener Mensch ich bin.

Und dann, dann, als ich wegfuhr, zurück in mein eigenes Leben, da hatte ich so etwas wie Heimweh – und ich glaube das war das erste Heimweh meines Lebens. Versteht ihr, ich wollte nicht mehr weg, da gibt es doch so viel für mich nachzuholen. Gleichzeitig ist meiner Mutter ihr Ableben mehr und mehr in ihr Gesicht geschrieben und das macht Angst und drängt, die Zeit, sie drängt. Jetzt habe ich mich schon wieder akklimatisiert, das Heimweh weitestgehend abgelegt und doch hat sich aus alldem ein größerer Entschluss kristallisiert.

Es ist für mein Umfeld kein großes Geheimnis, dass ich nicht so gerne in der Großstadt lebe, in der ich seit bald vier Jahren ansässig bin, zu voll, zu teuer, zu wenig Natur und zu viel Distanz. Ich kam zum Studieren hier und obwohl ich das Studium nie zu Ende brachte, bin ich hier geblieben. Auch wegen dem Partner. Als ich nun so im Elternzuhause saß und meditierte, da fing ich plötzlich an zu weinen, weil ich so sehr merkte, dass etwas nicht passt. Irgendetwas passt so ganz und gar nicht in meinem Leben. Ihr ahnt schon wohin das führt. Denn mich traf dann die Erkenntnis und zwar nicht gerade sanft, eher knallhart schlug sie mir in das Gesicht, dass ich wieder zurück in meine Heimatstadt will. Der Partner kann hier in näherer Zukunft nicht weg – dennoch weiß ich, dass das das richtige für mich ist, ich die letzten Jahre meiner Mutter noch erleben will. Und ich habe das schon viel länger gewusst  aber Angst vor dem nächsten Neuanfang haben diese Wünsche weit nach hinten geschoben.

Jetzt bin ich wieder zurück im Alltag, in der Arbeit – aber mit einem sehr klaren Ziel vor Augen. Und einer Menge Input für euch.

Danke für’s Lesen, ihr Lieben – das bedeutet mir viel! Ich schicke euch Licht.

9 Kommentare zu „Würde mir doch mal ein guter Titel einfallen.“

  1. Du bedankst Dich für das Lesen – ich bedanke mich, dass ich diese wunderbaren, tief emotionalen Zeilen lesen durfte. – Viel mehr Worte habe ich jetzt nicht …

    Aber so ein ganz großes, überwältigendes Gefühl …

    Dieses Gefühl schwingt wie ein Titel, der über Deine Geschichte passen würde, den allerdings schon gibt zu einer Science-Fiction-Film Reihe. „Zurück in die Zukunft“ lautet dieser Titel – Er passt, finde ich toll zu Deinem Entschluss, dazu, wie er in Dir geworden und gewachsen ist. Das Schönste daran ist freilich, dass er Deine Geschichte hier betreffend nicht „Sience-Fiction“ ist, sondern der Beginn von etwas Realem, etwas Wahrem!

    Ich lasse Dir mein großes Gefühl hier, liebe elefantenblau, und ganz, ganz viel Sternenstaub für Dich. Jedes einzelne Körnchen davon leuchtet Dir!

    Sehr liebe Grüße an Dich!

    Gefällt 3 Personen

  2. 1. Bitte mehr von deinen Meditationserfahrungen 😉
    2. Ganz viel Respekt für den Mut für so eine Entscheidung und diese Entscheidung zuzulassen.
    Und 3.: Toll, dass du Heimweh hattest! Das hatte ich auch ungefähr erst ein Mal, in einem Urlaub und ich sehnte mich nach Deutschland, glaube das war Heimweh und deine Erzählungen erinnern mich an mich, wie überrascht ich darüber war und wie schön es irgendwie auch war.

    Gefällt 2 Personen

  3. Das liest sich so schön und freut mich von Herzen für dich!
    Ich kenne dieses Heilungsgefühl aus manchen Momenten(ich nenne es für mich manchmal im Stillen auch „Ganz Werden-Gefühl“, weil es mir das Gefühl gibt, die zersplitterten Teile meiner Seele wachsen wieder zusammen) und es ist wirklich wunderbar. Ich wünsche dir noch viel mehr davon …

    Gefällt 1 Person

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