Konferenz der Glaubenssätze

Wir haben uns hier versammelt, weil ich meine gewisse Unruhen gespürt zu haben, in letzter Zeit. Häufiger kam mir der Begriff der Transformation zu Ohren und ich möchte, dass wir alle in uns gehen, um herauszufinden wo das Problem liegt.

In uns gehen? Mehr „in uns“ als wir – das geht nicht. Wir sind das Innerste.

Keine Frage! Und doch ist nicht abzustreiten, das hier etwas vor sich geht. Etwas, das womöglich unsere Existenz bedroht.

So leicht lassen wir uns nicht vertreiben. Wir sind alt, wir haben Wurzeln geschlagen. Wir helfen, wir heilen, wir haben Sinn und Zweck. Selbst wenn es nichts mehr gab, das sicher war – uns, uns gab es immer.

Ja doch, ich weiß. Aber was ist, wenn es eben nicht bleibt, wie es ist? Wenn sich die Dinge verändern, so sehr verändern, dass wir am Ende gar nicht mehr passen. Wenn da jemand kommt und unsere Wurzeln ausreißt. Wir müssen vorbereitet sein.

Kollege, wir sind hier doch nicht zum Spaß, okay? Das Mädchen hat uns gebraucht, wir waren da! Ohne uns hätte sie keinen Zugang zu Aufmerksamkeit und Liebe gehabt, sie wäre aufgeschmissen gewesen, völlig blank. Wir werden gerufen, also kommen wir – von weggehen oder transformieren war hier niemals die Rede.

Das Mädchen ist jetzt eine Frau…

Na und?

Die Dinge haben sich geändert.

Aha?!

Gut, ich habe versucht das Thema vorsichtig anzugehen, aber mir scheint es braucht hier ein wenig mehr Klarheit. Merkt ihr denn nicht wie verzweifelt sie versucht Platz für neue Glaubenssätze zu schaffen?Wie sie alles außen herum, um uns schon verändert hat, nur um überhaupt an uns heranzukommen? Wie viel sie dafür tut? Ehrlich gesagt bekomme ich langsam ein schlechtes Gewissen, denn ich habe das Gefühl wir halten sie nur auf.

Zu uns ist noch nichts vorgedrungen, was soll das für eine Veränderung sein? Uns kann man immer, in absolut jeder Lebenslage gebrauchen!

Wirklich?

Natürlich. Jeder Mensch auf dieser Erde will geliebt werden und sich angenommen fühlen. Aber das geht nicht ohne weiteres – dafür muss man sich eben ein wenig anstrengen. Es ist wichtig stets akkurates Verhalten an den Tag zu legen, niemanden zu verärgern, möglichst fehlerfrei, angenehm und liebenswürdig zu sein.

Aber was ist, wenn sie, na, wenn sie das jetzt so nicht mehr möchte und auch nicht braucht? Schau sie dir doch mal an! Sie ist liebenswürdig und das ist sie einfach so, ohne, perfekt oder fehlerfrei zu sein. Das ist sie, so wie sie ist. Sogar mit Wut, mit Trauer, mit all ihren Gefühlen.

Unsinn! Sie braucht uns! Niemand liebt jemanden, der wütend ist oder traurig – wer will denn so jemanden haben? Nein, so einfach gehen wir nicht. Erst soll uns jemand beweisen, dass wir wirklich nicht mehr gebraucht werden. Am besten sie selbst.

To be continued – mal sehen, wie der Dialog in ein paar Monaten aussieht.

6 Kommentare zu „Konferenz der Glaubenssätze“

  1. Ich kenne da jemanden, der gerade die exakt selbe Konferenz abhält. Dieser Jemand konnte sich bisher auch nicht vorstellen, dass man mit Wut oder anderen negativen Gefühlen geliebt werden kann. Ich glaube, das geht nur, wenn man sich so zeigt, wie man wirklich ist – und wenn man selbst voran geht. Halte durch! Es lohnt sich!

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  2. Ach, ehrlich? Es gibt uns Menschen. Und alle sind halt so wie sie sind. Gerade ältere Menschen, wie ich schon einer werde. Ich bin manchmal hinreißend und manchmal ein Arsch. Das lässt sich nicht stromlinienförmig oder irgendwie passend machen. Ich glaube, die ganze Diskussion ist für die Katz. Oder hat sich ein Dinosaurier je Gedanken gemacht, ob er jetzt genug geliebt wird (doch, die brauchten auch Liebe, oder zumindest Zuneigung). Ich bin katholisch und in diesem Sinn immer bemüht, nett zu meiner Umwelt zu sein. Das nennt sich Nächstenliebe und scheint mir nicht nur ein religiöses, sondern vor allem ein humanes Prinzip. Leider klappt die Sache nicht immer. Aber ich kann mich entschuldigen und ich kann auch Dinge wieder gut machen. Das sollte reichen. Und ansonsten: Man kann so sein, wie man will. Es wird immer andere Menschen geben, die mich genauso lieben. Oder genauso unausstehlich finden. Die Wahrheit ist ja eher die: Ich kann (und muss) nicht allen gefallen. Zentral ist: ich sollte mit mir zufrieden sein, und mich selbst so lieben, wie ich bin. Das heißt nicht, mich einfach nur toll finden. Wenn ich Mist baue, sollte ich ihn wieder in Ordnung bringen. Aber dass ich gelegentlich Mist baue, ist nicht meine „Schuld“, sondern ist mein Menschsein. Noch mal: Ehrlich? Statt über sich selbst nachzudenken, gibt es wichtigere Fragen. Schau‘ Dich um. Da ist so viel mehr als eigene Ich. Ich schwöre: Das hilft.

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    1. Der Kern dieser Diskussion dreht sich ja gerade um’s mit sich selbst zufrieden sein. Das gelingt mir nicht so, eben weil ich diese alten Glaubenssätze in mir trage, die ich gar nicht mehr passend finde.
      Das wunderschöne ist,dass wir ja wandelbar sind und dass ich neue Glaubenssätze verfolgen kann,wenn ich das möchte. Mit dem Beitrag habe ich versucht darzustellen, dass es mir nicht so leicht fällt das alte Denkmuster abzulegen.
      Nach außen gucke ich auch,definitiv und trotzdem finde ich es ganz wichtig für mich zu lernen mich selbst anzunehmen, wie ich bin!
      Danke für deine Inspiration.

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    2. Ist es nicht so, dass man seinen Nächsten so lieben soll, wie sich selber? Doch wie kann man für Nächste da sein, wenn man sich selber nicht liebt und fertig macht. Anderen zu helfen, obwohl man selbst Hilfe braucht ist nobel, gleichzeitig die Flucht vor den Inneren Kämpfen. Das Gleichgewicht wäre beides zu tun.

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