Konfuses Lebengedenken

 

Manchmal laufe ich durch die Straßen und erinnere mich an einen schönen Augenblick aus meinem Leben, dann lächle ich. Ja, es gibt sogar ganze Tage, an denen alles gut läuft, an denen ich mir vor lauter Lachen den Bauch halten muss und die Sonnenstrahlen nicht nur auf meiner Haut, sondern tief in mir, wahrnehmen kann.

In meinem Leben passieren Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Jemand wird krank, stirbt, irgendwo gibt es Streit, Krieg, Armut, Ungerechtigkeit. Ich sehe es als meine große Aufgabe an, zu lernen, damit umzugehen, ohne, dass mich das auffrisst. Ohne MitGEFÜHL will ich nicht, mit Mitleid dagegen, komme ich nicht groß weiter.

Ich betrachtete meine Existenz lange als Kampf und war getrieben von der oh-so-großen Frage nach dem Warum. Warum bin ich hier? Ich gucke mir diese für uns selbst konstruierte Welt noch heute manchmal an und wundere mich über den Sinn dahinter. Aber ich habe mir abgewöhnt zu fragen – besser als die Fragezeichen im Kopf immer größer werden zu lassen, ist es, auf die Beine zu kommen und sich auf den Weg zu machen. Da findet man immer irgendwas.

Es ist sonderbar zu leben, wenn man es eigentlich gar nicht mehr will. Und es ist noch seltsamer, dass manche schon so früh gehen müssen, obwohl sie es eben noch gar nicht wollen. Das passt nicht zusammen und trotzdem gibt es beides, auf dieser einen Welt.

Wenn man genau hinsieht, kann man unglaublich wunderschöne Dinge entdecken, hier. Es gibt tausende von eindrucksvollen Naturphänomenen, aber mit ein wenig Übung lässt sich auch schon über einen einzelnen Regentropfen staunen.

Ich schleiche noch immer ein wenig argwöhnisch um das Leben herum, will es mir doch noch nicht so richtig gelingen es in Dankbarkeit anzunehmen. Aber ich mag es immer lieber, so im Schnitt. Manchmal habe ich nämlich auch noch Phasen, in denen ich irritiert und überfordert dastehe und nicht so recht verstehe, was dieses Leben eigentlich von mir will. Und was will ich eigentlich? Oder was will irgendwer von mir?

Im Leben kann es durchaus hilfreich sein sich klar zu machen, dass man ein kleiner Bestandteil von etwas ganz Großem ist, ohne sich dabei selbst zu vergessen. Ja, das hilft ganz besonders bei Menschen wie mir, die sich gerne zu häufig in eine schlaflose Nacht hineindramatisieren oder eine natürliche Traurigkeit ängstlich betrachtend für den Ausbruch der nächsten großen Depression halten. Ich meine, Selbstfürsorge – ja, Überbewerten der eigenen Gedanken – nein, nicht, dass mir das besonders gelingen würde.

Zusammenfassend – ich verstehe das Leben nicht und kann es kaum beschreiben. Ich kann schon erklären, wie es dazu kommt, dass Diktatoren an die Macht kommen und Kriege in’s Rollen gebracht werden. Wie Armut entsteht oder warum jemand mordet, in unserer Welt lässt sich das alles erklären. Und warum ich Gummibärchen esse, obwohl sie total ungesund sind. Ich kann ebenso erläutern, warum es auf dieser Welt keinen Zusammenhalt gibt und niemand die aufnehmen möchte, bei denen Krieg ist, aber verstehen tue ich es eben nicht – so wie es aussieht, entscheidet alles darüber wo du geboren wirst und je nachdem hast du eben Glück oder Pech gehabt. Immer wieder gucke ich mir das Ganze aus einer Art Vogelperspektive an und wundere mich über diesen sonderbaren Film, der da gespielt wird.

Als Kind hinterfragte ich immer mal wieder unser Buchstaben- und Zahlensystem, wer hatte denn festgelegt, dass der Buchstabe A wie ein A klingt? Und hätte das nicht auch ganz anders heißen können? Kaum jemand verstand überhaupt was ich meinte. Das Leben hieß für mich Dinge nicht einfach so hinzunehmen und das scheint bis heute zum Teil so geblieben.

 

Ich schätze es ist an der Zeit mein eigenes Leben zu füllen, mit all den Dingen, die es zu einem lebenswerten Leben machen werden. Und ganz tief zu begreifen, dass ich hinterfragen kann, so viel ich will – verändern tut sich dadurch nichts. Das kann nur ich.

7 Kommentare zu „Konfuses Lebengedenken“

  1. Ich möchte eigentlich ganz viel schreiben. Aber ich KANN nicht. Irgendwie ist mir gerade das Herz übergelaufen. Mit jeder Zeile Deines Textes mehr. Du hast mein Leben berührt, Du hast soeben darinnen gelebt, mit Deinen Worten.

    Wenn sich das sehr theatralisch liest, so verzeih‘ mir das bitte.

    Wie gesagt: Ich KANN gerade nicht schreiben.

    Dein Text ist unbeschreiblich!

    Danke.

    Und viele liebe Grüße an Dich!

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  2. Hallo Pia,
    ich kann diene Kindheitsgedanken total nachvollziehen, weil ich mich sogar heute noch frage, wer das alles festgelegt hat. Wieso hat ein Tisch Tisch und nicht Sofa, wieso kommt die 3 vor der 4 und nicht vor der 9, etc. Es ist schon verrückt, was wir alles erschaffen haben, aber nicht nur wir, denn die Natur ist so schlau! Ein wundervoller Text von dir.
    Marja

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