Was ist das?

Nachdem ich kürzlich festgestellt habe, dass ich mich ziemlich lange sehr erfolgreich doch nicht die volle Verantwortung für mein Leben übernommen habe, bin ich jetzt mit Dingen konfrontiert, die mich ganz schön überfordern. Wer nochmal nachlesen will, kann das hier tun.

Hinter mir liegt ein verkürzter Arbeitstag, die Sonne scheint und ich habe eben meinen Balkon bepflanzt, was mir prinzipiell große Freude bereitet. Alles gut, nicht wahr? Aber woher kommt dann dieses Unwohlsein, das sich in leichter Niedergeschlagenheit äußert? Das geht nun schon seit Tagen so und verhagelt mir die eigentlich so schönen Momente.

Und in mir drängt sich die Frage auf – habe ich etwa ein eher betrübtes Gemüt, also so ganz grundsätzlich? Was stimmt nicht mit mir, dass ich an einem so schönen Tag eher aushalte, als zu leben? Neige ich zum traurig sein? Bin ich eine von denen, denen nachgesagt wird, dass sie immer unglücklich sind? Oh bitte nicht. Lediglich , ob ich mir mal wieder zu viele Gedanken mache, kann ich mit einem überzeugten JA beantworten.

Manchmal glaube ich, ich habe verlernt meine Gefühle und Empfindungen normal zu bewerten, manchmal denke ich, ich habe viel zu intensiv gelernt das, was ich fühle in irgendwelche Schubladen zu sortieren. So blöd das klingt – ich muss ab und an mein Umfeld fragen, ob die negativen Emotionen, die ich habe, auch zu dem passen, was gerade gegeben ist. Ich weiß es nämlich einfach nicht mehr. Mir ist der rote Faden zum limbischen System abhanden gekommen, das Sprachrohr hat einen Defekt, unsere Kommunikation gestört.

Es ist ganz und gar nicht verwunderlich, dass das gerade jetzt, nach den letzten Erkenntnissen und Einsichten auftaucht. Bisher habe ich für meine, von mir nicht sehr geliebten, Gefühle die Gesundheit meiner Eltern vorgeschoben und jetzt, wo ich das begriffen habe, ist dieses Schutzschild verschwunden. Ich muss mich also ganz allein damit auseinandersetzen – keine Ausreden mehr. Kein Ausweg, keine Ausflüchte, kein Verstecken oder Wegrennen. Da bin nur noch ich. Und ich empfinde das als keinen allzu aushaltbaren Zustand, kenne mich auch einfach noch gar nicht damit aus.

Aus der Ameisenpersepektive ist das, wenn überhaupt, ein winzig kleines Problem, ich habe da auch schon viel größeres bewältigt. Vermutlich nur Teil des Prozesses und hinter irgendeiner Tür komme ich dann dort wieder heraus, wo der nächste Teil vor mir liegt. Fühlt sich trotzdem ganz schön schwierig an.

Randnotiz: So interessant und wichtig es ist, sich selbst kennen zu lernen – danach bleibt vor allem eines, Veränderung und davon reichlich.

 

Change isn’t good or bad.

It just is.

 


Der Ein-paar-Stunden-später- Nachtrag:

 

Möglicherweise hat das Schreiben allein schon ein bisschen geholfen, um mir bewusst zu machen, was ich rein theoretisch ja eigentlich schon weiß. Und möglicherweise kann ich denjenigen unter euch, die ähnliche Probleme haben, damit helfen.

Ein Gefühl abzulehnen hilft überhaupt nicht. Es nützt nichts und führt garantiert nirgendwo hin, als in eine hundertfach gesteigerte Wahrnehmung des Gefühls. Blieben dann zwei Möglichkeiten – 1. Ablenkung, 2. Auseinandersetzung. Das die erste Option keine langfristige Lösung ist, ist eigentlich klar.

Also dann, die Auseinandersetzung. Das bedeutet sich eine oder zwei Minuten, möglichst in Stille, Zeit zu nehmen, um zu gucken, was da eigentlich gerade in dir los ist. Zum Beispiel in Form von Meditation, einem Spaziergang, was auch immer dir da gut tut. Vielleicht „spricht“ das Gefühl ja sogar mit dir und teilt dir mit, warum es da ist. Vielleicht näherst du dich dem Ganzen auch nur ein bisschen an. Und ganz sicher wird es ein wenig nachlassen, wenn du aufhörst es weiter von dir zu schieben.

Auch wenn ich meinen Gefühlen vorhin nicht ganz und gar verhasst begegnet bin, so war ich doch nur damit beschäftigt sie nicht fühlen zu wollen. Aber sie wollen gefühlt werden, ich muss nur ganz genau hinhören, um sie verstehen zu können. Mein Befinden ist nicht viel besser, als vor ein paar Stunden, aber ich habe mir selbst den Druck genommen und die Weichen für eine Besserung gestellt. Durch ein bisschen Input von Außen bin ich wieder ein kleines Stück liebevoller zu mir selbst.

 

Mein Input – und ja, Podcasts mag ich schon ziemlich gerne:

 

The mindful sessions – Sarah Desai – Wie du emotionale Krisen und Tiefs schnell auflösen kannst

7 Kommentare zu „Was ist das?“

  1. Ich frage mich auch oft, ob ich einfach nicht fähig bin zufrieden/glücklich zu sein und kenne auch das Schubladen denken. Ich wünsche dir, dass du das irgendwann ablegen kannst und objektiv schöne Momente genießen kannst 🙂

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